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Verlorene Poesie

Schlechte Poeten gab es immer. Sie drängen der Welt ihre lieblosen Zeilen auf. Sprechen, als brüllten sie in Kirchenhallen. Sie diskreditieren sich selbst, aber nie das Medium, das sie misshandeln. Genauso ist auch auf twitter. Mich wundert es nicht, dass dort viel zu viele schlechte tweets zu lesen sind. Mich wundert, dass die Literaturwissenschaft die guten tweets nicht sieht.

Poesie ist mehr als schön geformter Text. Sie ist eine prospektive Verdichtung von Wirklichkeit. Sie komprimiert die Komplexität der Welt ohne sie zu reduzieren. In ihrer Kürze wird sichtbar, was sonst in den langen Zeitläufen verborgen bleiben muss. Sie vermag es Empfindung und Erleben zu analysieren und ineinander verwoben zu belassen, anstatt sie wissenschaftlich zu trennen.

Die Kunst der Poesie findet sich auch auf twitter. In den wunderbaren kleinen Geschichten, die einen Kosmos in hundertvierzig Zeichen verdichten. Die liebevoll den Text zum Spiegel von Gefühl, Seele und Weltgeschehen werden lassen. Schlicht, die guten tweets.

Sie sind selten, wie gute Gedichte.

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