Kommentare 9

Luther feiern ohne Luther zu sein? – Scheiß Idee!

„Luther ist die Pleite des Jahres“ titelt die FAZ. Stimmt, das Reformationsjubiläum ist ein Flop mit Ansage. Man kann eben nicht Luther feiern, ohne Luther zu sein. Man hätte Mut und Aggression gebraucht, Regeln missachten und verbal mit grober Gewalt zuschlagen müssen, um wie Luther Aufmerksamkeit zu erregen. Stattdessen kommt das Luthergedenken daher wie ein muffiges altes Buch aus dem Keller eines Archivs. 

Die EKD plante unzählige Veranstaltungen, sammelte Millionenbeträge an Steuergeld ein, versprach vollmundig riesige Besucherzahlen und keiner kam. Dem ganzen Scheitern liegt ein simpler Denkfehler zu Grunde: Man lädt ein, Luther zu treffen. Aber wenn man kommt, ist er nicht da. Das ist der zentrale Unterschied zu den erfolgreichen katholischen Großveranstaltungen. Dort lädt der Papst zum Weltjugendtag. Man fährt hin und der Papst ist da. Luther aber ist tot.

Das Reformationsjubiläum war und ist zum Scheitern verdammt. Man lädt zu Luther ein. Man fährt hin und Bedford-Strohm ist da. Das interessiert national schon wenige, international keinen. Hätte man wissen können.

Luther war Popstar

Luther ist eine der größten Persönlichkeiten der Geschichte; Held und Arschloch zugleich. Er war herrisch, starrsinnig, mediengeil und über alle Maßen streitsüchtig und besserwisserisch. Genau diese allesamt unangenehmen Eigenschaften machen seinen Erfolg aus. Keine dieser Eigenschaften hat die evangelische Kirche von heute in ihrer DNA. Sie ist brav, langweilig, staatstragend. Sie hat nichts von Amy Winehouse und Justin Bieber, nichts von Charlie Sheen oder Michael Jackson. Keine Drogen, keine Exzesse, keine Schlagzeilen – schlicht die EKD.

Einzig Margot Käßmann bringt einen Hauch von abgefucktem Starappeal durch ihre längst verjährte Alkoholfahrt mit – aber reicht das wirklich, um die Massen zu begeistern? Zumindest wo sie auftritt, ist die Bude voll. Sie macht es eben richtig – grob wie Luther: Viele Fans und noch mehr Feinde.

Dass der heutige angepasste Protestantismus mit dem Aggro-Luther nichts mehr gemeinsam hat, ist eine Binsenweisheit. Nur wie man trotz dieser allgemein bekannten Tatsache eine solche Fehlplanung wie das Reformationsjubiläum an den Tag legen kann, ist für mich ein Rätsel. Es ist doch im Grunde ganz simpel: Es ist vollkommen okay, wenn man sich als Organisation von seinem Gründer emanzipiert. Dann nimmt man ein Jubiläum aber auch nur zum Anlass, um irgendwo einen Gedenkstein zu enthüllen und ein paar warme Worte zu verlieren in denen man auch deutlich macht, dass man sich heute in einer kritischen Distanz befindet. Dazu kommen ein paar hundert Leute. Obendrauf ein Gottesdienst, möglichst ökumenisch als Zeichen der Versöhnung – reicht!

Reformationsjubiläum hätte großer Wurf werden können

Man wollte mehr mit diesem Reformationsjubiläum, vielleicht zu Recht. Manch einer träumte gar von einer Neuevangelisierung Ostdeutschlands im Zuge des Lutherjahres. Ganz ehrlich, schöne Idee, aber doch nicht mit ein paar hundert Diskussionsrunden, ein bisschen Bibelteilen, dem einen oder anderen Gottesdienst mit langweiligen Predigten, ein paar lächerlichen Infozelten und einem Museum irgendwo in der Provinz in Sachsen-Anhalt namens Wittenberg. Wenn man mehr will, muss man auch mehr wagen!

Wie wäre es gewesen, ein paar von Luthers Eigenschaften ins Hier und Jetzt zu übertragen? Wie wäre es gewesen, ein Reformationsjahr zu feiern unter dem Motto: „Sei wie Luther!“

  1. Streitsüchtig:
    Diesem ganzen Reformationsjubiläum hätte ein Gegner gut getan. Selbstredend ist dieser Gegner im Jahr 2017 nicht mehr der Papst. Aber wie wäre es mit Atheisten gewesen? Oder mit unserer Bundeskanzlerin? Der AfD? Oder Horst Seehofer? Oder Donald Trump? – Oder wem auch immer. Hauptsache ein Gegner – Luther hat sich schließlich auch immerfort Gegner gesucht.
    Ein Gegner motiviert zur kreativen Aktion. Man weiß, wogegen man antritt. Weiß, gegen wen man gewinnen will. Es entsteht Dynamik, weil ein Gegner sich bewegt. Wie geil wäre es gewesen, wenn die evangelische Kirche Thesen zur CSU-Flüchtlingspolitik mit einem Hochleistungsbeamer auf jedes CSU-geführte Ministerium projiziert hätte? Wenn sie nicht aufgehört hätte, Horst Seehofer, Scheuer, Dobrindt und Soeder auf den Sack zu gehen. Wie stark wäre man medial beachtet worden, wenn das evangelische Jugendwerk das Maritim-Hotel in Köln während des AfD-Bundesparteitages mit Bibeln gestürmt hätte? Wie großartig wäre es gewesen, wenn man zum G20 Gipfel 20 bedruckte Zeppeline mit Thesen drauf Richtung Elbphilharmonie hätte fliegen lassen, statt den aufmerksamkeitsstarken Protest den Randalierern zu überlassen? Wie gut hätte es mit Mut zur Streitsucht werden können?
  2. Mediengeil: 
    Der Protestantismus hat den Kampf mit Karrikaturen erfunden. Mit einem ordentlichen Gegner und dem Mut zur Konfrontation hätte die evangelische Kirche ein Jahr lang einen Karrikaturenstreit vom Zaun brechen können, der sich gewaschen hat. Statt langweiliger „Luther2017: Staunen. Entdecken. Jubeln.“-Plakate an den Bahnhöfen mal etwas plakatieren, was wirklich provoziert: „Wer Flüchtlingen nicht hilft, dem gnade Gott“.
  3. Starrsinnig:
    Wenn die Kirche in der Nachfolge von Jesus Christus und Martin Luther wirklich an die Macht der heiligen Schrift glaubt, dann stellt Euch verdammt nochmal auf die Straßen und verkündet sie. Man lädt nicht in eine Kirche ein und hofft, das kirchenferne kommen, sondern man stellt sich mitten auf die Plätze. Mit einem Mikrophon, egal wie peinlich es ist. Man spricht aus, was man glaubt: „Die Rettung allein liegt in Jesus Christus.“ Man traut sich hinaus und verkündet das Wort und verschwurbelt es nicht.

Ja, dieses Reformationsjubiläum hätte spannend werden können. Es hätte wie Luther sein können. Wie Luther nur im Jahr 2017: Streitsüchtig, starrsinnig und mediengeil. Es war nur leider nix davon.

9 Kommentare

  1. Die Perspektive eines amerikanischen lutherischen Pfarrers…

    Die evangelische Kirche, die heute Luthers Gedankengut beansprucht, ist weitaus nicht mehr dieselbe Kirche der ersten beiden Jahrhunderten nach Luther – geschweige der Zeit Luthers selbst! Und das liegt gar nicht daran, dass die Welt viel anders ist als damals. Zeiten ändern sich. Das stimmt, aber etwas grundgesätzlicheres stimmt nicht mit der evangelischen Kirche heutzutage. Problem? Man verwechselt heute das Evangelium Christi mit dem Evangelium sozialer Gerechtigkeit. Das soll aber nicht heißen, dass das christliche Evangelium soziale Gerechtigkeit nicht anbelangt oder sogar verlangt, aber für manche, für viele sogenannte Christen ist sie jetzt das Ziel des Glaubens. Und das führt zur Armut der Einflusses im Allgemeinen und zur Krise des Glaubens für die Glaubensgemeinschaft im Besonderen. Es kommen oftmals Christen zusammen und wollen Benachteiligten gute Werke tun, und das soll auch so sein. Aber sie wollen vom Grund der Werke nicht sprechen. Sie wollen vom Christi Gebot nicht sprechen. Sie wollen ja vom Christus nicht sprechen! Grund? Sprechen von Christus könne anstößig für Nichtchristen sein. Als ich das letzte Mal gelesen habe, ist Christi Kreuz jedoch ein Anstoß! Luther war es völlig egal, ob er anstößig war…vielmehr war er absichtlich anstößig, um genau den Anstoß des Kreuz zu zeigen. Solange der Kirche sich mehr darum kümmert, keinen Anstoß wegen Christus zu erwecken, werden sowohl die Verkündigung des Evangeliums als auch der Einfluss der Kirche leiden.

    • Thomas Schüller

      Ich kann Ihre Meinung nicht teilen, denn die soziale Gerechtigkeit ist kein wirkliches Thema der EKD. In Lippenbekenntnissen wird zwar gerne von sozialer Gerechtigkeit gesprochen, aber dabei bleibt es. Bestenfalls versuchen die Kirchen mit pflegeleichter Caritas ein wenig gegen die Symptome der weltweiten und auch national zunehmenden Armut zu tun, verdienen mitunter noch an dieser Symptombewältigung, die eigentlichen politischen und wirtschaftspolitischen Gründe werden kaum benannt. Die Kirche will nicht anecken, aber m.E. weniger aus den Gründen, die sie vermuten, sondern aus Gründen einer falschen feigen politischen Opportunität. Die Spitzen der Kirchen kungeln mit den Eliten aus Politik und Wirtschaft, die noch vorhandenen kleinen Christen ducken such weg und tolerieren den allgemeinen Beschiss und das Bodenpersonal labert sich und die Restgemeinden ins Jenseits.

      Eine Kirche, die sich nicht traut eine Kirche im Geist Luthers und Jesus zu sein, wird auch nicht als solche wahrgenommen. Sie ist wie das geschmackslose Salz, das nicht mehr zum Salzen taugt. Eine so laue und zahnlose Kirche interessiert eigentlich nur noch sich selber und dem zur Folge fällt das Lutherjahr im wahrsten Sinn des Wortes aus.

      • „Eine Kirche, die sich nicht traut eine Kirche im Geist Luthers und Jesus zu sein, wird auch nicht als solche wahrgenommen. Sie ist wie das geschmackslose Salz, das nicht mehr zum Salzen taugt. Eine so laue und zahnlose Kirche interessiert eigentlich nur noch sich selber und dem zur Folge fällt das Lutherjahr im wahrsten Sinn des Wortes aus.“ – Das ist der springende Punkt!

  2. Peter Fuchs

    Diese Agressivität von Herr Flügge mag reisserisch ankommen und dadurch kann er mit seinen Büchern Gewinn erwirtschaften.
    Es ist aber nicht die Sprache unserer geistigen Heimat bei Gott und seinem Sohn Jesus Christus.

    Solange man Gott und seinen Sohn, den König der geistigen Welt bei Gott, als eine Person proklamiert wir diese Kirche zerfallen. Auch Herr Flügge behauptete dies im Fernsehauftritt in der Schweiz.
    Gott liebt seinen Sohn darum hat er Ihn dreimal hörbar bestätigt vor den Menschen.

    Jede Kirche die behauptet, Jesus Christus sei der Menschgewordene Gott wiederspricht den Aussagen von Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Er muss nocheinmal in die Schule.

    Gott zum Gruss

    Peter Fuchs

    • Thomas Schüller

      Sehr geehrter Herr Fuchs,

      ihr Kommentar setzt sich nicht im Ansatz mit den inhaltlichen Aussagen von Herrn Flügge auseinander. Stattdessen formulieren Sie einen theologischen Standpunkt, der mit dem, was Herr Flügge angesprochen hat für mich keinen vitalen Berührungspunkt zeigt und auf den ich deswegen an dieser Stelle nicht eingehen möchte- vielleicht ein andermal.

      Auf der formalem Ebene werfen Sie Herrn Flügge vor, dass dieser aggressiv und reißerisch daher kommen würde und deswegen mit seinen Büchern Gewinn erwirtschaften könnte. Nun gut, den gleichen Vorwurf müssten Sie dann Luther machen, denn der hat es schriftlich wie mündlich oft ordentlich knallen lassen und die feige angepasste Rhetorik heutiger Kirchenmänner und -frauen war Luther fremd. Der Beliebtheit seiner Schriften scheint das zuträglich gewesen zu sein, ganz im Gegensatz zur mehr als schleppenden Nachfrage heutigen kirchlichen Redens und Schreibens.

      Luther und Beford-Strohm sind zueinander unterschiedlich wie Sommergewitter und Inversionswetterlage, das Sommergewitter mag ungemütlich sein, kann aber vieles klären und die klimatischen Verhältnisse wieder ins Lot rücken während der Stillstand einer Inversionswetterlage auf die Stimmung und die Atemwege schlagen kann. Beford-Strohm ist wie Merkel: Unscheinbar, formal lammfromm und sterbenslangweilig Der einzige Unterschied: Merkel macht eine grottenschlechte unchristliche Politik und Bedford-Strohm schweigt dazu. Und genau ab diesem Punkt ist viele verlogene feige Lammfrommheit nicht mehr nur sterbenslangweilig sondern infam gefährlich und zerstörerisch. Wer zum Elend in der Welt schweigt obwohl er es besser wissen müsste, kommt mir vor wie ein Arzt der den Tumor im CT erkennt, aber mit seinem Patienten über das Wetter schwafelt. Und für solch eine Quacksalberei ist mir jeder Cent Kichensteuer zu schade.

      Luther und Jesus waren da anders, ohne die Energie Luthers hätten kirchlicher Aberglauben, Zwang und Doktrin möglicherweise noch längere Zeit Bestand bzw. weiteren Zuwachs erfahren. Es war ein Jammerspiel, was die katholische Kirche in gut 1100 Jahren nach der Anerkennung des Christentums als römische Staatsreligion aus dem Glauben und Wirken des Jesus von Nazareth und seiner Mitstreiter/innen gemacht hatte. Luther hat dieses Jammerspiel erkannt und versucht mit falschen Mythen und falscher Glaubenspraxis aufzuräumen, ist dabei weit gekommen und ohne seine kraftvolle Rede, seinen Mut, seine Entschlossenheit und vielleicht auch die teils produktiv eingesetzte Aggressivität wäre das vermutlich nicht möglich gewesen. Und er hatte Ahnung vom Geschäft bzw. den Schriften, die er existentiell bedrängt mit hohem Eigeninteresse motiviert eigenhändig übersetzt und zu verstehen gesucht hat. Die Schrift und die damit zusammenhängende private Erkenntnis waren ihm wichtiger als das, was damals die Kirche als Erkenntnis vorschreiben wollte. Luther hat sich seine Freiheit eines Christenmenschen teuer erstritten, das heutige kirchliche Bodenpersonal hängt diese Freiheit oft an der Nagel, bevor es das erste mal den Talar überstreifen darf.

      Wenn laut Ihren Worten Herr Fuchs die Rede des Herrn Flügge „nicht die Sprache unserer geistigen Heimat bei Gott und seinem Sohn Jesus Christus“ sein soll, dann haben Sie vielleicht auch ein Problem mit der Freiheit, die sich Luther erstritten und genommen hat?

      Sie könnten deswegen Ihre Kritik auch auf den Doktor theol. aus Wittenberg beziehen. Sie wären da nicht alleine mit, allein zu Luthers Zeit haben das viele kirchenaffiine Personen getan, ohne dass das aber Luther abgehalten hätte, vehement seinen Weg (und zwar in Wort und Tat) zu gehen. Auch ihren Einwand würde er bestimmt eine Gegenrede verpassen, so war er halt.

      Das war und ist gut so – nicht in allem, aber in wesentlichen Belangen von Theologie und Menschsein hat er Impulse gestiftet, die damals dringend nötig waren und es heute wieder sind.

      Luther wollten christlichen Glauben zu seiner Zeit erneuern bzw. besser ausgedrückt wieder revitalisieren. Er hat das Christentum nicht neu erfunden, sondern versucht das, was das NT an Befreiung für die Menschen bedeuten aus den in Jahrhunderten von Kirchengeschichte erfahrenen unguten Veränderungen zu befreien.

      Das macht den Grundgedanken der Reformation aus: Reformiert gehört,
      was untauglich geworden ist.

      Und genau hier beweisen die aktuelle EKD und auch deren katholisches Pendant gravierende Defizite: Deren weichgespülte Rede will nirgends anecken, kommt rund geschliffen wie ein Kieselstein daher und lässt wie so ein aalglattes Steinchen keinen dauerhaften Standpunkt erkennen. Die Kirchen flüchten sich gedanklich und rhetorisch in ihre Jenseitserwartung, schweigen zum Elend im Diesseits, haben für alles und nichts Verständnis, wollen in alle Richtungen anschlussfähig sein, haben damit aber einen Teil ihres ideellen Anschlusses verloren. Die Kirchen wollen die von ihnen verschwiegenen Probleme gesund für bitten und geben sich damit einer bigotten Lächerlichkeit für alle diejenigen anheim, die unter diesen verschwiegenen Problemen leiden müssen. Die Kirchen wollen ihre Türen weit für alle öffnen, sind dabei aber so unattraktiv und unglaubwürdig geworden, dass sie die Kirchentüren aushängen könnten und trotzdem kaum noch jemand neues kommen würde, höchstens ein paar unchristliche Nasen, die den Altarschmuck abräumen würden.

      Diese Verwässerung des christlichen Glaubens dürfte Jesus wie Luther schwer auf die Palme bringen, könnten diese noch mal im Diesseits die Sau rauslassen (denn das konnten beide zu ihren Lebzeiten, auch wenn das die heutigen Kirchen nicht mehr so wahr haben wollen).

      Beide Kirchen sind auf Grund dieser Defizite wieder neu schwer reformbedürftig, viele der noch in diesen Kirchen vorhandenen Christen dürften das ahnen, kaum einer traut sich das aber zu sagen, allenfalls als Luther-Groupie sich zu outen scheint noch durch zu gehen.

      Das Schweigen der Lämmer gibt den Ton an und eine klare ehrliche Rede fällt aus. Bedford-Strohm, Marx und der Rest des kirchlichen Bodenpersonals können, wollen und dürfen das nicht, zumindest kann ich außer Papst Franziskus aktuell und klangjährig nicht ein Beispiel erkennen, das einen stichhaltigen Gegenbeweis zu der radikalen These liefern könnte, dass den heutigen Kirchen jeglicher Funke Radikalität fehlt. Die Kirchen und ihre Botschaft sind wie ein ausgelaugtes, steriles und seiner ursprünglichen Bestandteile beraubtes Lebensmittel, wo Geschmacksverstärker den Diebstahl an der Essenz wettmachen sollen (und das natürlich nicht können).

      Wer den Pelz waschen will, ohne auch nur einen Tropfen Wasser verwenden zu wollen, muss damit leben dass der Pelz irgendwann zu stinken anfängt und dass das dann nicht gerade zur Attraktivität des Waschsalons beiträgt. Jesus und Luther als Markenkerne behaupten, dann aber in fast aller kirchlichen Praxis diese Markenkerne als angeblich pflegeleichte Schonkost runterkochen zu wollen, muss nicht jedem schmecken und schmeckt auch den meisten nicht. Insofern droht das Reformationsjahr zu einem Etikettenschwindel zu verkommen, der von vielen Menschen als solcher längst durchschaut worden ist.

      Stell dir vor es ist Lutherjahr und keiner geht hin (außer den üblichen Verdächtigen).

  3. Luther hat sich mit der Kirche seiner Zeit angelegt und dabei enorme Risiken auf sich genommen.
    Er sah sich vom Geist beeinflusst und trat für seine Mission mit einer Vehemenz ein, die den heutigen Bodenpersonal der EKD völlig abgeht. Das kommt vom Dorfpfarrer bis Bedford-Strohm weichgespült und salbungsvoll daher, predigt und erzählt nett und nichtssagend und lockt damit nur wenige noch zu Angeboten der EKD, am allerwenigstens die Kirchenfernen.

    Das hätte klar sein sollen, aber die Kirche betreibt lieber ihre nichtssagende Professionalität und lässt sich diese noch teuer staatlich subventionieren als dass sie neue Wege wagen würde, so wie Luther das getan hat. So gesehen verdeutlicht dass Reformationsjahr folgendes Problem: Die EKD möchte sich auf Luther, dessen historische und geistige Funktion berufen, ist aber als verstaubte Amtskirche mehr zu dem geworden, was Luther in seiner Zeit entschieden angegriffen hat. Schon dumm, wenn man als Rechtsnachfolger die Ideen seines Gründers verraten hat, diesen und seine Ideen dann aber feiern will. Das trägt schon sehr bigotte und pharisäerhafte Züge, so dass es sicher spannend wäre mit zu bekommen, wie Jesus und Luther mit den Kirchen umgehen würden, kämen sie heut zu Tage mal auf die Erde nieder.

    Die EKD mag nach Luther suchen, steht sich dabei aber selber im Wege,
    denn selbst wenn sie ihn finden würde, würde ihr der Mut fehlen ihn abzuholen.

  4. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

Schreibe eine Antwort