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Ich schäme mich für 700 Tote

700 Menschen sind im Mittelmeer ertrunken. Es sind Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Ich habe sie sterben lassen, genau wie Du.

Die Not, die sie fliehen lässt, kaufen wir ein. Es sind unsere Supermärkte und Kleidungsläden, die das Elend in die Welt tragen. Die Kriege, vor denen sie fliehen, befeuern wir mit Waffen. Kaum ein anderes Land verkauft so viele Handfeuerwaffen wie Deutschland. Keine Waffengattung bringt mehr Menschen um, als der deutsche Exportschlager.

Mauerschützen, die wir niemals richten werden

Nach dem Ende der DDR haben wir Prozesse gegen Mauerschützen geführt. Sie hatten die Befehle ihrer Diktatur befolgt. Dennoch, wir sprachen ihnen Verantwortung zu, weil sie am Töten beteiligt waren.

Im Mittelmeer sind wir selbst am Töten beteiligt. Es ist unser Staat und unsere EU, die die Rettung aus dem Meer verweigern. Regierungen, denen wir diese Haltung erlauben, weil uns Flüchtlinge so egal sind. Das deutsche Volk nimmt schulterzuckend die Sterbenden in kauf. Unsere Ignoranz ermöglicht erst das Sterben.

Wir vertreiben erst und lassen dann sterben

Es ist mein Einkaufen und Dein Einkaufen, das Vertreibung und Flucht bedingt. Es ist mein Mangel an Empörung und Dein Mangel an Empörung, der Waffenexporte legalisiert. Es ist meine Ignoranz und Deine Ignoranz, die Europas herzlose Grenze herzlos bleiben lässt.

Ich bin genauso überfordert wie schon zuletzt. Was tun, dass Europas Brutalität endet? Was tun, damit die Exporte von Handfeuerwaffen enden? Wie richtiger einkaufen? 

So lange ich die Antwort nicht gebe und lebe und so lange Du die Antwort nicht gibst und lebst, sind wir auch mitschuldig an 700 Toten.  

1 Kommentar

  1. Anne

    Aktuell 55 Kommentare zur Sprache der Theologen, und kein einziger zum Beitrag über Hunderte von ertrunkenen Flüchtlingen. Vielleicht bewerte ich es über, aber mich lässt die Frage nicht los, ob eine sich verbiegende, sich entfremdende (Kirchen-)Sprache letztlich nicht doch nur der Spiegel einer verbogenen, entfremdeten Gesellschaft ist. Tat und Wort gehören zusammen. Hinkt das eine, kann das andere nicht aufrecht gehen. Ich habe viel nachzudenken.

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