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Die Kirche verreckt an ihrer Sprache

Sorry, liebe Theologen, aber ich halte es nicht aus, wenn ihr sprecht. Es ist so oft so furchtbar. Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will. Ständig diese in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn, nach dem wer ich bin und werden könnte, wenn ich denn zuließe, dass ich werde, was ich schon längst war. Hä? – Ach bitte, lasst mich doch mit so was in Ruhe.

Wir leben in der Zeit des Samplings, der zerfetzten Identitäten, der Multiperspektivität und nicht zuletzt in der Zeit der subtilen Ironie. Hier ist kein Platz für erdrückende Ganzheitlichkeit. Allein schon das Wort Ganzheitlichkeit – drei zusätzliche Silben, um das bereits ganze Wort „ganz“ noch gänzer zu machen. Mal ehrlich, ganz kann man nicht steigern und seit mindestens fünfzehn Jahren will der Mainstream unserer Gesellschaft diesen Versuch aus gutem Grund nicht mehr unternehmen.

Wo lernt man das eigentlich? Wo muss man hingehen, um beigebracht zu bekommen, die Betonung im Satz an der genau falschen Stelle zu setzen? Gibt es Rhetorikkurse für Zombie-Sprache für Predigten in Kirchen? Ich meine das ganz ernst, wenn man mit euch ein Bier trinkt, dann klingt ihr ganz normal. Sobald ihr in einer Kirche in offizieller Funktion sprecht, wird’s plötzlich scheiße. Wieso denn eigentlich?

Noch schlimmer als Juristen

Ich kenne nur eine weitere Gruppe, die auch so eine ganz seltsame Sprache hat: Juristen. Die geben sich auch Mühe, möglichst nicht verstanden zu werden. Zugegebenermaßen ist das aber genau deren Geschäftsmodell. Am einen Ende übersetzen Juristen allgemeinverständliche Überlegungen in unverständliche Gesetzestexte, um am anderen Ende Juristen Arbeit zu verschaffen, die für den einfachen Menschen wieder die Rückübersetzung vorzunehmen. Brilliant gemacht, so geht denen niemals die Arbeit aus.

Für euch Theologen ist doch das Problem, dass es keine Notwendigkeit gibt, euren Übersetzungsdienst ins Unverständliche in Anspruch zu nehmen. Die Kirche wurde aus ihrer gesellschaftlich-juristischen Schlüsselposition verdrängt und damit gibt es keinen Grund mehr unverständlich sein zu wollen. Es ist geradezu dumm nicht verstanden zu werden, wenn man darum werben muss, dass die Menschen zu einem kommen.

Es wäre doch am Ende recht einfach. Macht’s wie der Chef. Jesus hat sich doch auch Mühe gegeben irgendwie verständlich zu sein. Er hat den Leuten etwas mit Bildern und Begriffen erklärt, mit denen sie etwas anfangen konnten. Seine Zuhörer wussten, wer die Samariter sind und wie ein Senfbaum aussieht. Die wussten, wie die Nummer mit dem Sauerteig geht. Ey Leute, ich geh zum Bäcker, ich hab keine Ahnung, was man mit Sauerteig anstellen muss und wie das funktioniert. Wozu auch, es gibt sechs Bäcker rund um meine Wohnung.

Darf ich einen Deal vorschlagen: Sprecht doch einfach über Gott, wie ihr beim Bier sprecht. Dann ist das vielleicht noch nicht modern, aber immerhin mal wieder menschlich, nah und nicht zuletzt verständlich. Na denn, PROST!

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Update:

Ich sehe in den Zugriffszahlen, dass gerade tausende diesen Artikel lesen. Bei mir melden sich auch eine ganze Menge Theologinnen und Theologen. Die meisten lobend, einige aber auch stinksauer.
Richtig so! – Wenn man die Dinge auf den Punkt bringt – wenn man auf das zu Tode differenzieren verzichtet, dann entsteht Emotion und diese löst Handlungen aus.
Hätte ich jemanden erreicht, wenn ich ganz differenziert geschrieben hätte? Hätte es jemand geteilt, hätte Euch dieser Beitrag erreicht? Ich glaube kaum, und jetzt lasst uns gerne diskutieren.

Reaktion von katholisch.de (hier).

Reaktion von evangelisch.de (hier).

Hier noch mein Interview mit dem Domradio zu diesem Artikel:

 

83 Kommentare

  1. Verrecken? Klingt wie aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Aber das nur am Rande. Wenn die Kirche in der bisherigen Form ausläuft, liegt das meiner Meinung nach nicht an Theologensprache in der Predigt. Es ist das Volkskirchenkonzept generell, das schlicht seine Zeit gehabt hat. Kirche muss sich neu erfinden, und zwar von unten.

      • Wie würde dann dein Kommentar zum 100. Gedenken an den Genozid an den Armeniern aussehen? worauf zielen, dass er in der Welt bleibt, auch sprachlich?
        Wär super ein solches Beispiel zu lesen.
        Im Übrigen: Danke für die offene Kritik.

      • Sebastian

        Ich kann Ihr Kritik im Prinzip nachvollziehen – wenn sie auch (vermutlich bewusst) etwas zugespitzt geraten ist. Das Wort zum Sonntag von Herrn Beck entspricht Ihrer Kritik aber meiner Ansicht in weiten Teilen nicht. Von daher kann ich diesen Kommentar von Ihnen, nicht verstehen.

      • Anna

        Ich habe mir das Wort zum Sonntag angeschaut – und ich kann beim besten Willen Ihre Kritik nicht nachvollziehen.
        Was fällt da bitte aus der Welt?
        Ich frage das nicht provokant, sondern wirklich staunend und interessiert.
        Für mich ist dieser Beitrag sehr gut ausformuliert, sehr verständlich, gut gesprochen und betont.
        Ganz ehrlich – ich wüsste nicht, wie man das besser machen könnte.
        Klären Sie mich auf, was Sie meinen?

    • Gerd Voß

      Nein, Wolfgang Beck, Hau-drauf-Rhetorik ist was anderes. Dies war nur mal verständlich und nicht verklausuliert. Nachvollziehbar für Menschen, die keine Akademiker sind… Und es stimmt ja, dass die Rhetorik in den Predigten seltsam ist. Diese typischen Kettendinger, bei denen das letzte Wort eines Satzes immer das erste des nächsten ist: „Wir sind heute als Gemeinde versammelt. Versammelt, um Gott zu begegen. Gott, der uns das Leben gab. Das Leben in seiner ganzen Vielfalt. Vielfalt, die sich in Toleranz übt. Übt zu ertragen, was den anderen treibt. Treibt zu seinem…“ 😉
      Oder diese Aufzählungen mit immer dem gleichen Wort am Anfang:
      Versammelt, um anzubeten.
      Versammelt, um Gott zu begegnen.
      Versammelt, um Gemeinschaft zu pflegen
      Versammelt, um zu Hören…

      Oder die Umstellung der Sätze. Nicht „Wir sind versammelt, um auf Gott zu hören“, Neeeeein. „Wir sind versammelt, um zu hören – – – auf Gott.“ … und dann meinetwegen wieder die Aufzählung:
      … auf Gott
      … auf die Stimme des Lebens
      … auf das Wort des Ursprungs
      … auf das Herz der anderen…

      Und dem gemeinen Zuhörer leiern die neuronalen Schlafwellen durchs Hirn. Der Blick wird unklar und wandert irgendwo hin… Erst beim Orgelvorspiel zu dem Choral aus dem 16. Jahrhundert wird man wachgerüttelt. Übrigens: Die Konfirmanden verstehen diese alten Texte nicht. Und damit meine ich tatsächlich „nicht“, nämlich „gar nicht“.

      • Sebastian

        Nunja,
        – die von Ihnen benannte Art der Aufzählung ist tatsächlich nicht unbedingt nur typisches „Kirchensprech“, sondern Rhetorik. Ganz genau so, wie sie auch in fast allen öffentlichen Reden vorkommen. Der Grund: Es ist ein Stilmittel, das Einprägsamkeit fördert.
        – die Wiederholungen dienen dazu semantische Anknüpfungen zu schaffen (so würde es ein Germanist ausdrücken). Und wenn das in der von Ihnen beschriebenen Weise geschieht, dann erleichtert das die Verständlichkeit uns senkt gerade die Hürden für diejenigen, die sich schwer tun, die komplexen Verknüpfungen in akademischen Texten zu entschlüsseln.
        Eigentlich spricht für mich aus Ihrem Kommentar daher eher die Arroganz des Bildungsbürgertums.

      • Marianne

        Genau bei dieser Art von Reden, wie sie Gerd Voß beschrieben hat, fällt mir nach 3 min der Kopf runter … Ich höre mir gern Predigten an, orginal und auch online, aber diese Ansammlungen an Wörter dieser Art erdrücken mich einfach.
        Eine gute Predigt ist für mich, wenn ich was daraus mitnehmen kann, wenn sie auch mal einen kleinen Witz enthält – ja, auch Jesus hat Humor! – und wenn der Prediger auch mal von sich selbst erzählt, wie er was wahrgenommen hat, was er mit Jesus erlebt hat usw. Das ist für mich menschlich und greifbar, auch wenn es für andere vielleicht nach Mystik anhört, gerade das finde ich spannend, weil wir doch alle diese Art Erlebnisse von uns selbst kennen, aber die von anderen zu hören, ist doch gerade das was Jesus ausmacht. Wie er in unseren allen Leben wirkt und auf welche Art.
        Gruß
        Marianne

        • Josef

          Ich bin ein ehmaliger Diakon und ich kenne die Sprache der Kirche. Die Studenten bekommen die Sprache automatisch, wenn sie paar Jahre dabei sind ( durch Anschaungsunterricht!).
          Und das mit der Realität ist eine Sache! Die meisten meine Mitstudenten (heutige Priester oder Theologen) hatten keinen Bezug zu der Realen-Welt. Man könnte sie auch, wie andere Mitstudenten es getan haben, Sonderlinge nennen. Ausserdem, wo hat man in der Kirche letzter Zeit über Flüchtlinge gehört oder mit den Milliarden der Kirche dafür eingesetzt? Realität und Bezug zur Realität ist, wie gesagt, eine Sache.

      • Freiburgerin

        Jaaaa! Genau so ist das! Aber mich treibt es eher zur Weißglut! Und zum Schreien: Aufhören! Aber sofort!!!!!! Entweder ich schalte den Quatschkopf ab oder verlasse sofort den Tatort.
        In der calvary chapel Freiburg musste ich so ein Gesülze noch nie ertragen, gibt es nicht. Und kriegen wir auch nicht rein

  2. Komisch, das mit dem Jesus – ich lese, dass er sagt, er spricht in Gleichnissen und Bildern, damit ihn nicht alle verstehen. „Damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“

    • Freiburgerin

      Nein, Jesus meint damit die Pharisäer, nicht das“gemeine Volk“, denn diese wollen auch gar nicht verstehen. Sonst würden sie Jesus nicht gemeinsame Sache mit dem Satan unterstellen.

  3. Daniel

    Wenn man nichts mehr zu sagen hat,
    muss das, was man sagt,
    so klingen als hätte man was zu sagen.
    Weil keine Botschaft mehr zur Sprache kommt,
    wird die Sprache zur Botschaft.

  4. Friedrich muehlenbruch

    Vielleicht etwas krass formuliert, grundsätzlich jedoch stimme ich zu. Gestern Morgen habe ich auch nach ca. 10 Minuten ziemlich überfordert abgeschaltet.

  5. Als geerdeter Theologe kann ich dem nur zustimmen. Allerdings würde ich nicht so sehr die Predigt im Visier haben, sondern zuallererst die offiziellen Verlautbarungen ob aus Rom oder von der DBK. Die kann selbst ich nicht ohne Wörterbuch verstehen. Ich selber bemühe mich um eine klare und einfache Sprache. Es wird mir auch immer wieder bestätigt, dass mir das ganz gut gelingt. Wer das lernen will, sollte nach Taizé fahren. Die Brüder dort sind gezwungen, einfach zu reden, weil deren Sätze von ganz normalen Menschen in alle möglichen Sprachen übersetzt werden müssen.

  6. Joe

    Ein Problem dass da immer wieder auftaucht: Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Diskurs, wo differenzierte Fachsprache notwendig ist und die Frage: Wie kann ich den Stoff verständlich („populärwissenschaftlich“) verarbeiten um ihn der „breiten Masse“ zugänglich zu machen. Es gibt in der Theologie durchaus Menschen die das können, diese sind aber selten über ihre Gemeinde bzw. ihre Uni hinaus bekannt bzw. einflussreich. Der Theologie fehlt noch was ein Harald Lesch für die Physik ist!

  7. Brigitte

    Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was du diskutieren willst. Erst mal bin ich schon mal Theologin. Sorry, aber auf so ein bisschen Achtung in der Sprache lege ich wert. Dann meckerst du ja nicht über die Sprache sondern darüber, dass falsche Menschenbilder unterwegs sind, so nicht von Gott und Mensch geredet werden kann. Gebe ich dir recht. Übrigens bin ich selbst seit Jahren dabei, diese Sprache zu verlernen. Ist gar nicht so einfach. Dann bleiben viel mehr „keine Ahnung“ übrig als je. Denn wir reden ja nur nach, was Jesus erzählt hat, im Allgemeinen erfinden wir keine neuen Gleichnisse, wir erzählen alte. Aber gut, übersetzen ist so eine Sache. Sehe ich ein. Doch wo, jenseits des Gepflaumes, sind die neuen Ideen? Ich mache dir einen Vorschlag: wir schreiben zusammen Texte. Im hin und her. Und probieren, ob sie dann verständlich werden. Das wäre mal ein Projekt. Herzliche Grüsse aus der Schweiz

  8. Ulf

    Ich gehöre wohl zu den „Tausenden“, die derzeit den Artikel lesen (er ist von einem Facebookfreund geteilt worden) – und habe (angelockt von der Überschrift) etwas mehr erwartet als die übliche Pfarrersschelte…

  9. Stimme voll zu. Die Kirche erreicht die Menschen oftmals nicht mehr – auch sprachlich.

    Übrigens: Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel der Theologe Siegfried Zimmer mit seinen Beiträgen bei worthaus.org. Tiefgehende Theologie – und verständlich!

    • f.

      herr zimmer ist tatsächlich ein leuchtendes beispiel dafür, dass es auch anders geht .. ich fand es schon immer schade, dass viele theologen oft so tun, als wäre das evangelium etwas fürchterlich kompliziertes, lebensfremdes, abgehobenes und verstaubtes .. ich hatte immer die vermutung, die tun nur so, weil sie selber so sind .. 😉 .. umso mehr freu ich mich an diesem wortgewandten, intelligenten, am boden gebliebenen theologen mit seinem schwäbischen dialekt ..

  10. Als Lehrbeauftragte für „Atmen und Sprechen“ an einer Theologischen Hochschule ist das natürlich ein SEHR interessanter Artikel für mich!
    Vielleicht werde ich ihn im nächsten Semester als Übungstext für Betonung nehmen 😉
    Meine Erfahrung ist: je bewusster jemand wirklich darüber nachgedacht hat, was er dem Zuhörer mitteilen will und je persönlicher er im Moment des Sprechens diese Botschaft auch an sein eigenes Herz heranlässt, desto natürlicher und authentischer kommt es auch rüber. Ich werde weiter an der „Rhetorik-Front“ dafür kämpfen, dass Prediger authentisch sprechen und nicht eine leiernde Imitation ihrer Vorgänger sind! Versprochen 🙂

  11. fritzidoro

    Hier kommt ein Kommentar von anderer Art… Ich hätte da eine Frage. Ich bin Deutsch- und Religionslehrerin – und ich würde deinen Artikel gerne mal in meinen Unterricht mitnehmen – das wäre ein idealer Übungstext für Sachtextanalyse, und in Reli wäre er ja auch nicht ganz falsch aufgehoben… Darf ich das? Ich schick dir gerne auch die Ergebnisse… (ist eine ernst gemeinte Anfrage)

  12. Hedda

    Danke.

    Wobei ich sagen muß, daß ich zwar die Kritik sowohl am üblichen Theologensprech als auch der Sprache der meisten Predigten teile (und finde, daß beide unterschiedlich, aber ähnlich furchtbar sind), aber wohl zu einer anderen Lösung neige. Also, klar, man muß von Gott auch ganz normal reden können. Mit Bildern, die man heute versteht, und ohne, daß man sich in die 70er und 80er zurückversetzt fühlt (kleine Anekdote am Rande: bei uns wurde letztens ein Lied in der Messe gesungen, daß mit etwas Tamtam als neues Kirchenlied angekündigt wurde. Das Lied stellte sich dann als zwei Jahre älter als ich heraus. Liebe Leute, ein Lied aus den frühen 80ern ist nicht neu). Aber: die GANZ alten Bilder können und dürfen wir nicht über Bord werfen. Das mit dem Sauerteig, dem Senfkorn und so weiter, also, die Bilder, die aus der Bibel sind, die sind zeitlos. Und wenn Leute die heute nicht mehr verstehen, dann ist das ein Bildungsproblem. Und für diese Art Bildungsproblem habe ich in Zeiten von Buchdruck, Massenmedien, Computern, Internet und äußerst niedriger Analphabetismusrate kein Verständnis, schon gar nicht, wenn eigentlich jeden Sonntag im Rahmen der Predigt die Gelegenheit da wäre, in kleinen, handlichen Portionen den Leuten auch schlicht und ergreifend Wissen zu vermitteln. Katechese statt Gelaber von Ganzheitlichkeit oder Anekdötchen aus dem persönlichen Leben des Predigers, die, irgendwie um drei Ecken vielleicht was mit der Lesung zu tun haben.

    • Stefanie

      Danke Hedda! Ich bin da voll deiner Meinung. Die Gleichnisse aus der Bibel bergen so viel Positives und sind absolut zeitlos. Klar, in der heutigen Zeit und angesichts unserer Sprache sind sie nicht leicht zu verstehen. Aber genau an dieser Stelle sehe ich es als unsere Aufgabe sie wieder verständlich zu machen. Und daran werde ich weiterhin arbeiten. 🙂
      Mich stimmen dieser Artikel und die Kommentare recht nachdenklich. Ich sitze nämlich gerade an meinem Schreibtisch und mache mir Gedanken zum kommenden Sonntagsevangelium. Dabei denke ich an die Menschen, die vermutlich am Wochenende in die Kirche kommen und meinen Worten lauschen werden. Und das macht die Sache nicht einfacher. Die Zuhörer und ihre Lebenskontexte werden sehr verschieden sein. Realistisch gesehen werde ich nicht alle gleichermaßen erreichen können.
      Ich bin der Meinung, dass es daher ganz besonders wichtig ist, meinem Glauben und mir selbst treu zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass der Heilige Geist sein Übriges tut 🙂

  13. Monika Effertz

    Danke für die klaren Worte! Ich frag mich manchmal selbst, was mich da im Gottesdienst „überkommt“, wenn ich mit meinem belehrenden Kindergartenton anfange. Und ich kenne kaum einen Kollegen, der im Gottesdienst spricht, wie beim Bier, auch wenn ich von den meisten weiss, dass sie es gerne würden und versuchen.
    Aber gut, dass es mal wer gesagt hat – auch wenns hart klingt. Aber immerhin verständlich, im Gegensatz zu dem, was ich oft von mir gebe – dabei bin ich gar nciht so ein „typischer“ Theologe.
    Den Beitrag teile ich gerne. Ob mans nun genauso sieht, oder nicht, zumindest regt das zum Nachdenken an!

  14. Joachim

    Der Artikel spricht mir aus dem Herzen. Was man manchmal oder besser gesagt öfter hört ist eine Zumutung und hat mit dem Leben nichts zu tun. Ich würde mir da auch eine Sprache wünsche in der sich die Gesellschaft findet. Ich würde mir eine Sprache wünschen die von den Problemen der Zeit spricht. Achso natürlich sollte derjenigen der spricht auch von den Problemen wissen sonst wird es dann völlig unglaubwürdig.

  15. Benjamin

    Vielen Dank, solche Beiträge, die scharf an der Polemik-Grenze kratzen, helfen, um sich bestimmte Dingen bewusst zu machen.

    Zur Zeit lebe und arbeite ich als Pastor und Theologe in einem anderen Land und bewege mich somit auch in einer anderen Sprache und Kultur. Würde ich eigentlich jeder Kollegin/Kollegen empfehlen. Denn dann merkt man sehr sehr schnell, wenn man unverständlich wird und die berühmte Elementarisierung stellt sich ganz automatisch ein.

  16. Daniel Bloch

    Soweit ein gut gemeinter Artikel, wenn auch rethorisch nicht eher plakativ, aber das haben ja andere zu genüge geschrieben.

    Aber ein Fehler muss doch aufgezeigt werden … Jesus hat sich in vielem sehr klar ausgedrückt, zeitgemäss mit Bildern, welche die Leute verstanden haben. Aber sehr oft haben die Leute auch nicht verstanden, um was es ging und er hat es z.B. seinen Jüngern nochmals erklärt … Insofern hinkt Vergleich.

    Ich bin zum Glück in einer Kirche, in welcher die Sprache während der Predigt sich nicht gross von der Sprache beim Feierabendbier unterscheidet … ein bisschen gewählter, vorsichtiger, aber echt.

    • Anna

      Hm. Nun ja. Ich habe ihm ganze zwei Minuten zugehört – kann daher inhaltlich nichts dazu sagen.
      Aber diese Art geht in meinen Augen ja nun überhaupt nicht.
      Ist DAS die Art, wie man beim Bier miteinander redet? Wohl kaum.
      Diese Art zu sprechen… das kann ich mit im Olympia-Stadion bei Mario Barth anhören.
      Aber wenn ich immer überlegen muss, was meint er jetzt ernst, was ist ein Kalauer, wo übertreibt er, wo nicht…?
      Nein. Das geht FÜR MICH nun wiederum nicht.

      (Auch wenn ich Hirschhausen, Barth und Kollegen von Zeit zu Zeit ma ganz gerne zuhöre…)

  17. Micha Ringwald

    Ich war vor kurzem auf einer Beerdigung, mir hat sie gut gefallen, aber ein Freund mitte zwanzig hat sich ehrlich – ungefähr so ehrlich und offen wie du – über die Sprache und Retorik des Pfarrers aufgeregt. Mein junger Freund erwartete ehrliche Gechichten aus dem Alltag und keine Antworten auf den Umgang mit Trauer und den Tod. Was er nicht wusste – dieser Pfarrer war sogar Schwager des verstorbenens und persönlich so betroffen, dass ihm manchmal die Sprache stockte. Ich habe diese Antworten hören können und darin die ehrlichen Geschichten sehen können, aber er nicht. Dieser Pfarrer hatte wirklich etwas zu sagen. Aber ich glaube manchmal hat er seine wahren Gefühle hinter einem kollektivem „wir sind heute hier in großer Trauer…“ versteckt, statt einfache Worte zu wählen und persönlich zu sagen – „ich vermisse dich, mein Freund.“ Ich glaube der Pfarrer von heute muss wieder als Person auftreten dürfen – und Gott mit ihm. Und der Bierkurg.

  18. Ich finde den Artikel an sich gut, die Aussage, die Aufforderung auch berechtigt. Dass viele PfarrerInnen so komisch sprechen (nicht nur grammatikalisch, sondern auch im Tonfall) liegt wohl an ihrem Amts- bzw. Rollenverständnis. Das ist aber nicht immer nur von dem/der LiturgIn abhängig. Oft werden bestimmte Erwartungen auch aus der Gemeinde an den Pfarrer/die Pfarrerin herangetragen.

    Ich rede übrigens nicht wie in der Kneipe, sondern wie im Wohnzimmer (weil ich nicht will, dass sich die Leute im Gottesdienst wie in einer Kneipe benehmen). Und vor allem: ohne schriftliches Konzept! Sätze, die man schreibt, werden automatisch komplizierter als jene, die man einfach nur sagt, einfach deshalb, weil man beim Schreiben wesentlich mehr Zeit zum Nachdenken hat. Insofern sind die meisten Predigten, die „gehalten“ werden, mehr Lese- als Hörpredigten.

    Ganz ins Banale will ich die Predigt auch in ihren Begriffen nicht abgleiten lassen. Es gibt Sprache, die auch etwas vom „Geheimnis des Glaubens“ vermitteln kann. Da geht es dann weniger ums vernunftbegabte Verstehen, sondern ums Fühlen. Beispiel: Psalmen oder Neudeutsch: Gedichte.

    • Imrahil

      Ich würde ja umgekehrt vermuten, daß man eher beim unvorbereiteten Sprechen weitschweifig wird als wenn man vorher die Sätze präzise formuliert hat. Vorausgesetzt man kann vorlesen.

  19. Bettina

    Wenn ich es richtig verstehe, bezieht sich der Beitrag v.a. auf schwülstige Predigten oder auf beliebte rhetorische Kettensätze, die in der Tat oft sehr nichtssagend sind. Wie ist es aber mit theologischen Begriffen, z.B. mit Jungfrauengeburt oder Hochgebet? Gilt die Kritik da auch? Ist da nicht die Unverständlichkeit vorprogrammiert? Das sind aber Dinge, die sich nicht verändern können. Dazu möchte ich anmerken: Keiner hat Probleme damit, den Computer zu benutzen und Worte zu lernen, die nicht selbstverständlich in unserer Sprache sind: facebook, Menü, whats app, download – um nur einige wenige zu nennen. Hier gibt sich jeder Mühe weil jeder den Computer benutzen muss.
    Wie ist es mit dem Glauben? Ist der für uns nicht ganz existentiell? Hilft er uns nicht auf dem Weg in das ewige Leben bei Gott? Warum können wir uns nicht mit der Sprache der Theologie beschäftigen und aushalten, wenn etwas sprachlich nicht ganz einfach und verständlich ist? Außerdem kann jeder und jede nach einer Predigt den entsprechenden Priester fragen, was gemeint war oder was sich hinter einem theologischen Begriff verbirgt. Ich bin sicher: jeder Priester gibt dazu gerne Auskunft!

    • Gerd Voß

      Bettina, da gebe ich Ihnen einerseits Recht. Andererseits nützt Ihnen dieses Rechthaben dann nichts, wenn die Menschen eben in diesem Bereich nicht so lernwillig sind wie im Computerwesen. Der Computer ist einerseits ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand und andererseits etwas, das Zukunft in sich trägt. Der Glaube scheint diese Attribute verloren zu haben. Also muss man ihn anders präsentieren als den Computer.

      • Bettina

        Sehr geehrter Herr Voß, danke für Ihren Kommentar.
        Aber eben das verstehe ich nicht: der Glaube ist doch so wichtig für die Zukunft, viel wichtiger als der Computer! Wenn man regelmäßig die hl. Messe besucht, wird das Sprachproblem auch immer kleiner. Es ist also alles nur eine Frage der Wichtigkeit: nehme ich den Glauben an meine Zukunft bei Gott im ewigen Leben so wichtig, dass ich mich so damit beschäftige, dass mir alles verständlich wird? Ich weiß wovon ich rede: ich musste mir auch alles selbst zum Glauben erarbeiten, er war mir nicht in die Wiege gelegt. Wer aber Jesus Christus wirklich liebt, der beschäftigt sich auch mit ihm und steigt in die – vielleicht – sperrige Sprache gerne ein und hat auch mit der Kirche keine Probleme. Das hat nichts mit Rechthaben(wollen) zu tun – es ist einfach ein Fakt.

        • Gerd Voß

          Ja, auch da gebe ich Ihnen Recht. Aber die Zeit, die Sie für Ihren Glauben aufgewendet haben, nimmt sich heute niemand mehr. Ein Mensch gibt einer Veranstaltung heute maximal dreimal eine Chance. Wenn sie ihn dann nicht überzeugt, war’s das. Darum ist es leider nicht mehr realistisch, zu erwarten, dass jemand lange genug die Hl. Messe besucht, bis er die Sprache besser versteht. Genau das ist ja eben die rhetorische Herausforderung für die Kirche von heute: Sprich JETZT so, dass jeder dich JETZT versteht.
          Alle Beschwichtigungen und guten rhetorischen Gründe für den Kirchensprech, die in diesem Kommentarforum von Theologen angeführt werden, laufen einfach ins Leere, weil die Menschen ihnen nicht zuhören werden. Es hilft dann auch nicht, sich über die Zeit oder den postmodernen Menschen zu echauffieren. Er ist wie er ist und wenn wir ihn lieben, dann lernen wir seine Sprache, damit das Evangelium wenigstens gehört und verstanden wird.

          • Ulf

            Das kommt auf den Kontext an, indem Sie leben. Es gibt auch Menschen, die sich vom „modernen“ Sprech abgestoßen fühlen – und ausschließlich etwas „Heiliges“ im Gottesdienst suchen – und genau deshalb kommen!

            Man kann es toll finden oder nicht – aber Sprache ist immer etwas Exklusives :-(. Entscheidend ist, dass ich mir dessen bewusst bin und sprachlich die Zielgruppe abhole, die ich abholen soll (Sinusstudie beachtend etc.). Das wusste auch schon Paulus (den Griechen ein Grieche und den Jude ein Jude…) – aber es gibt wenig Menschen, die milieuübergreifend reden können.

            Insofern kann ich die Intention des Kommentares nachvollziehen – aber der Illusion einer „modernen“ Sprache, die alle gleich anspricht, sollte man nicht erliegen! (Ansonsten wäre beispielsweise dem Wachstum der Freikirchen in Deutschland keine Grenzen gesetzt – aber auch deren Mitgliederstamm pendelt sich ein!)

          • Bettina

            Lieber Herr Voß, Sie haben mit Ihrer Analyse leider völlig Recht. Aber das Grundproblem ist nicht die Sprache, sondern die Liebe, der Glaube, die Wertigkeit, die jemand der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus gibt. Wer im Glauben anerkennt, dass Gott der Schöpfer ist und Jesus Christus uns mit seiner Auferstehung zum ewigen Leben berufen hat – Beides wird in der Kirche am Sonntag gefeiert – für den ist es selbstverständlich an jedem Sonntag eine Stunde Zeit zu haben, um dafür zu danken. Die Sprache ergibt sich dann von alleine. Was ich sagen will: Sprache, Probleme und ‚Missstände‘ in der Kirche u.a.: das sind alles Nebenkriegsschauplätze. Wer im Glauben das Wesentliche seines Lebens erkennt, der wird sich allem in Liebe öffnen. Ulf hat auch Recht: das Heilige und zieht oft mehr an, als ein angepasstes Kirchensprech. Vielleicht sollte doch wieder das Latein für die hl. Messe benutzt werden?

          • Gerd Voß

            Liebe Bettina, wir gehen hier sicher auch von zwei verschiedenen Zioelgruppen aus. Sie sprechen von denen, die schon fest im Glauben sind. Ich spreche von denen, die noch wackeln oder nur sporadisch in den Gottesdienst kommen. Das sind sicher zwei ungleiche Schuhe. Aber auch für die Glaubenden ist eine verständliche Sprache sicher eine Hilfe, damit der Glaube wach b,eibt und alltagstauglich ist.

    • Christoph Kussat

      Liebe Bettina,

      wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen keine Vorstellung von der Bedeutung des Glaubens haben. Christ sein, hat besonders für junge Menschen keinen Anreiz mehr. Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass nur wenige eine Vorstellung davon haben was Glauben ausmacht. Hier sind TheologInnen gefragt, die biblische Inhalte lebensnah zu den Menschen bringen und Glauben interessant machen. Denn zumindest ich setze mich nur mit Dingen auseinander, die mein Interesse geweckt haben. Dieses Interesse lässt sich aber doch nur wecken, wenn ich etwas verstehe oder wenn es mich anspricht.

      Meine Erfahrung mit Predigten ist eine ganz ähnliche. Der Gottesdienst in der altherkömmlichen Form berührt mich nicht, obwohl ich als evangelischer Diakon durchaus mit theologischen Texten umzugehen weiß, erreicht mich in Gottesdiensten die Pedigt doch eher, wenn Sie alltäglich und damit auch verständlich ist. Hier bedarf es meines Erachtens eines deutlichen Sprachwandels bei einigen TheologInnen.

      Wenn dann das Interesse am Glauben geweckt ist, besteht sicherlich auch die Möglichkeit sich mit sprachlich schwierigeren Texten auseinanderzusetzen.

      Ich freue mich über den hier angestoßenen Austausch.

      • Bettina

        Lieber Herr Voss, lieber Herr Kussat,

        auch ich freue mich über die Diskussion. Lieber Herr Voss, ich meine gerade die dem Glauben fern Stehenden. Das habe ich auch über Jahre lang getan!! Ich weiß also worüber ich rede!
        Letztlich entscheidend ist der Wille, sich dem Geschenk der Gnade des Glaubens, die für uns alle bereit steht, zuzuwenden. Sie sprechen nur vom Interesse. Glauben meint aber die Überzeugung, dass Gott für mein Leben erst- und letzursächlich bestimmend in und für mein Leben ist. Dass Er uns trägt, führt und leitet. Dass Jesus uns durch sein Leid und Kreuz zur Auferstehung geführt hat. Dass er uns im Sakrament der Eucharistie täglich ganz und gar mit uns verbindet und wir dann ganz in seiner Fülle leben. Diese Erkenntnis habe ich im Lauf der Jahre gewonnen, weil mich der INHALT überzeugt hat! Die schwierigen Begriffe und manchmal wenig verständliche Sprache sind für mich nur eine Entschuldigung – wie so viele andere auch – sich von der Kirche abzuwenden und zu sagen. Wer glauben lernen will, geht zur Kirche, zu Priestern, Seelsorger und zu allen getauften Christen, wenn sie ihm etwas über den Glauben sagen können.
        Was uns fehlt, ist eine gute Katechese. Die Fundamente des Glaubens werden in der Kindheit nicht mehr gelegt. Habe ich selbst so erfahren. Vieles erscheint ganz kompliziert, aber es geht auch so einfach zu erklären. Predigten sind gut, aber viel wichtiger ist es den Sinn der hl. Messe und der Sakramente zu verstehen. Erst dann kommt die Predigt. In Werktagsmessen gibt es keine und doch stehen wir durch die Teilnahme an der hl. Messe und dem Empfang der Eucharistie in der Fülle göttlichen Lebens! Wichtig ist es sich auf den Weg zu machen, umzukehren hin zum Reich Gottes, indem man alle Vorurteile über kirchliche Sprache, Amtskirche etc. mal weg lässt. Allein wichtig ist die Gottsuche und die Liebe zum Dreifaltigen Gott. Nochmals: das musste ich mir alles SELST erarbeiten – und die Gnade Gottes kommt dann hinzu. Ich bin so dankbar für das Geschenk des Glaubens!!

  20. Heinz Werner Wessler

    Ist es wirklich die Sprache, an der die Kirche verreckt? Sie scheinen da ja voll den Durchblick zu haben. Witzig ist Ihre selbstbewusste Behauptung, dass es sich um einen Konflikt zwischen der Sprache der 1980er Jahre und der Gegenwart mit ihrer „Multiperspektivität“ handelt – ein schillernder Begriff, der wohl wenig fuer Ihren „Deal“ taugen duerfte, den Sie grosszuegig anbieten. „Ganzheitlichkeit“ scheint Ihnen dagegen erdrueckend, wie Sie schreiben. Von wem wurden Sie mit dem an sich schönen Begriff „ganzheitlich“ erdrueckt? Ein blick in meine Bioladen-Zeitschrift „Schrot & Korn“ zeigt mir, dass der Begriff durchaus noch in diesem Millieu ankommt. Mit Ihrem „Multiperspektivität“ fuehlt sich ein anderes Millieu besser bedient. Klaro, zerfetzte Identitäten haben wir doch alle. Das kann man uebrigens auch sehr schön kreuztheologisch deuten – doch selbst das ist an sich ein alter Hut.

  21. Patene

    Ja, in Predigtsmeinaren, in allen Seminaren und Hausabrieten muss man diese korrupte Sprache benuzten. Zumal dann auch der Zugang, durch das viele lernen, an Menschen fehlt. Meine Meinung. Es ist aber nicht so, dass die Theologen es versucht haben zu ändern. Kleine Artikel, die ich mir großer Bewunderung gelesen habe. Lass Theologen erzürnt sein. Der unterschied zwischen das was Gäubige wollen und was Theologie will, sind nicht stimmig. Wenn es niemand ändert, müssen sie es anders lernen. Meine Meinung.
    Ich kann nur empfhelen euch mit der leichten Sprache zu beschäftigen. Dann wisst ihr genau, was reden mit anderen heißt.
    Ja, auch Theologische Fachbegriffe sind kompliziert! Sie können einfach in die heutige Zeit übersetzt werden. Aber ganz ehrlich, wen interessiert das?
    Jungferngeburt ist nicht einfach für Menschen die Null Ahnung von Religion, Glauben und gar den Christentum haben.
    Ich bin stolz wenn Pfarrer und Pfarrerinnen, die gibt es, so reden können da ich mir nicht vorkomme wie der letzte Vollidiot.
    Viele haben Angst nicht Wissenschaftlich etc. zu sein. Das könnte ich Seiten so weiterschreiben. Du darfst Kritik üben!

  22. Dirk Fiedler

    Ne ne, Erik Flügge, das sind keine sechs Bäcker in deiner Nachbarschaft. Das sind Verkaufsstationen für industriell vorgefertigte Teiglinge. Und es gibt Menschen, die würden gern wirkliche Backwaren kaufen, finden aber nur Auf-Backwaren.
    Solche Wahrheiten müssen einem als Konsument aber erstmal gesagt werden.
    Von allein kommt man da nicht drauf. Gut, man kann auch sagen „Hauptsache satt, egal wie“, aber das wollen nicht alle.
    Genauso ist es mit der Theologie. Da geht es auch darum, dass die Leute da draußen sich nicht irgendwas zurechtglauben sollen und brauchen.
    Und ich gehöre seit langem zu denen, die -wie du- für eine lebensnahe Sprache plädieren, damit das auch rüberkommt. Denn es geht um Wahrhaftigkeit in einer Welt, in der man allerorten verarscht wird.
    Das das irgendwie auch deine Motivation ist wird leider erst im zweiten Teil deines Artikels deutlich. Anfangs klingt es wir ganz gewöhnliches „church-bashing“.

    Übrigens gibt es überraschend viele von uns, ich meine Pfarrmenschen, die sich um Verständlichkeit bemühen.
    Und das sind nicht die „Berufsjugendlichen“, die bis ins hohe Alter Jugendsprache imitieren, sondern die, die sich mutig der Aufgabe stellen einen sprachlichen Spagat hinzubekommen – auf der einen Seite zur hochsprachlichen Liturgie und akademischen Denkweise, auf der anderen Seite hin zur jeweiligen Zielgruppe. Das klappt manchmal, und manchmal fällt man dabei auch auf den Arsch. Was ich nicht schlimm finde, aber ich leide auch nicht an zwanghaftem Perfektionismus (habe allerdings auch keine zerfetzte Identität 😉 )
    Fazit: Kann man drüber diskutieren – warum auch nicht – , aber die, diese Kritik hören müssten, erreichst du vermutlich mit dem Medium „Internet“ gar nicht.

    • Frank Hermann

      Ich vertrete eine ähnlich Position, wie Sie, sehr geehrter Herr Fiedler und möchte noch zwei Dinge dazu setzen:
      1) würde ich gerne Herrn Flügge in Krankenhäusern und Reha-Kliniken mitnehmen. Dorthin, wo viele Psychologen und Seelsorgenden sich täglich abrackern, um den Menschen hilfreich zu sein, ihre zerfetzte Identität aufzuarbeiten und stabil zu machen. Wenn unsere Gesellschaft tatsächlich seit 15 Jahren sich erfolgreich gegen Ganzheitlichkeit wehrt, dann zeigt dies für mich, wie krank sie eigentlich ist. Meine Erfahrungen an vielen Sterbebetten ist eine ganz andere. Da wird die Frage nach Ganzheit, nach Sinn und dem was mich hält, massiv. Da könnte Herr Flügge mal in die neusten Studien der Palliativ Care schauen, was dann dran ist.
      2) Die Adjektive ganz und ganzheitlich sind weder synonym, noch sind sie gegenseitig austauschbar. (Übrigens: ganzheitlich ist steigerbar!) 😉

      Insgesamt: In der Intention bin ich ganz bei Herrn Flügge. Doch Verallgemeinerungen werden der Sache nicht gerecht.

  23. Friede

    Super! Ich habe vielfach herzlich gelacht. Und freu mich auf mein Vikariat & Folgeerscheinungen … falls sie mich nehmen. Dann kann ich es ja häufig probieren – scheitern, wieder probieren und nochmal 😉 …

    Wie Otto es schon vor vielen Jahren toll auf den Punkt brachte: „… Und sollte nicht auch einer von uns, oder morgen, oder heute, oder vielleicht nicht. Wer weiß. Schönen guten Abend.“ In diesem Sinne!

  24. Tim

    Hallo, dann werde ich auch einmal mein Salz auf sommerlichen Boden werfen ( wie? Das macht doch garkeinen Sinn! Gut erkannt. ) Würde man den ganzen Kram in die moderne Sprache übersetzen, würde den Leuten auffallen was dort eigentlich geschehen ist. Zu viele Übersetzungen über verschiedene Sprachen gemischt mit Phantasie und geistiger Verwirrtheit. Zudem würde eine normale Aussprache die Kirche auf ein erdliches Niveau herabsetzen woraus eine auf Augenhöhe geführte Beziehung zwischen „YHWH“ und den Menschen enstehen würde. Vom Gedanken sicher nicht im Interesse der Kirche. Natürlich kann ich meine Aussage nicht belegen ( damit kennen sich aber die Theologen auch aus also schaffe ich Gleichberechtigung auf beiden Seiten ).

    Ein Gott braucht keine Tempel/Kirchen mächtig ist alleine das Wort.

    Disclaimer: Ich gehöre keiner der Weltreligionen an, ich finde die „Liebe“ eines Gottes sollte man sich nicht erkaufen können.

  25. Johannes

    Ich denke, wir leben eher in einer Zeit, in der grottenschlechte Deutschlehrer ihren fehlenden Stil weitergeben. Nicht nur die Theologen, sondern sämtliche als gebildet geltende Menschen haben hier Probleme. Bei Geisteswissenschaftlern ist dieses Problem symptomatisch, da sie in Begriffen denken. Sätze werden von statischen Denkordnungen strukturiert. Literaten denken nicht in Begriffen, sondern in Handlungen. Das ist die Kunst. Allerdings weiß das niemand. Und gejammert darüber wird auch schon seit über 25 Jahren (Enzensberger läßt grüßen). Genickt und toll gefunden hat’s jeder – bloß geändert hat sich nichts.

    „Wir leben in der Zeit des Samplings, der zerfetzten Identitäten, der Multiperspektivität und nicht zuletzt in der Zeit der subtilen Ironie.“

    Solche Sätze sind falsche Perlen par excellence. Außer ein bisschen wichtig machen findet sich hier nichts. Abgesehen davon ist das mit den Samplings so was von 80er (*subtile Ironie hoch drei hust*). Dabei gibt es nicht viele Generationen, die so viel Ironie benutzen ohne Humor zu haben.

    Übrigens: Vielleicht liegt auch ein Denkfehler vor. „Die Kirche“ sind alle, die an Christus glauben; nicht nur ein paar Priester hinter irgendwelchen Ambos. Wer der Amtskirche die Rede von Gott überläßt, ist selber dran Schuld. Zeigt man mit einem Finger auf jemand anderen, zeigen drei auf einen zurück. Die Botschaft sollte nicht heißen: „Die Kirche verreckt an ihrer Sprache.“, sondern viel eher „Leute, macht euch auf die Socken und schwätzt über Gott und die Welt – in Kneipe, Küche, Kita.“ Gerade daran „verreckt Kirche“: weil Leute wie Sie und Ich nicht den Arsch hochkriegen, und statt den Mund selber auf zu tun, andere das machen lassen. Und dann auch noch beleidigen.

  26. Gut gebrüllt, Löwe!
    Ich versuche – mit einigem Erfolg, wie ich meine – Religionsunterricht in einer Sprache zu halten und den Diskurs mit den SchülerInnen nicht aus angst vor einem kräftigen Wort in artifiziellen Worthülsen versanden zu lassen. Dieser Artikel rennt offene Türen ein bei mir, die Kommentare darunter sind letztendlich ermutigend für mich und drum sag ich einfach:
    Dankeschön!

  27. Marcus Lacroix

    Ich finde den Aufruf etwas flach und kurz gedacht.
    Mangelndes Verständnis durch Vereinfachung der Sprache zu kompensieren dreht die Abwärtsspirale der Verdummung nur weiter. Wie beim fehlenden Wissen über Sauerteig.
    Das es gute Mittelwege gibt zeigten bzw. zeigen Prediger wie Wilhelm Busch oder Leo Bigger (ICF). Es kommt auf das Gespür des Predigers für die Zuhörer an…
    PS. Ich bin in keiner Kirche aber Christ.

    • Gerd Voß

      Ich glaube nicht, dass es Erik Flügge um eine dumpfe, platte Sprache geht. Es geht ihm darum, dass Sprache in der kirchlichen Verkündigung das leistet, wozu sie da ist: Inhalte transportieren.
      Dazu kommt, dass kirchliche Verkündigung ja in sich immer mehr ist also bloße Information. Sie hat immer ein Interesse: Die Einladung zum Glauben, den Trost, den Aufruf zum neuen Handeln. Das muss in der Sprachgestalt erkennbar sein. Es ist nicht die Frage, ob die Sprache einfach oder hoch ist. Es ist die Frage, wer da sitzt und was versteht. Es ist doch wirklich Unsinn, dem Hörer die Verantwortung dafür zuzuschieben, dass die Botschaft nicht ankommt.

      • Marcus Lacroix

        Naja, ich habe die Botschaft auch 30 Jahre nicht verstanden, bis mein Herz endlich dazu bereit war sie aufzunehmen 😉
        Gesucht wird auch von Erik wohl der Mittelweg – hochgestochenes theologisches Gestelze ist ebenso unangebracht wie eine zu starke Vereinfachung. Die Volxsbibel leistet auch ihren Dienst, aber beim Feierabendbier möchte ich dem HERRN auch nicht begegnen. Etwas mehr Anspruch sollte jeder an sich selbst haben. Und was Senfkorn & Sauerteig sind kann man durchaus lernen (und sollte man auch im Rahmen der Allgemeinbildung wissen)… 🙂

  28. Gut so…., auf dieser Welt seit 1938 verbluefften mich immer mehr die nichtssagenden Predigtsprachen von den unterschiedlichen „Kanzeln“, sie entzündeten damit Vertreibung… Und nichts veränderte sich: Zur Ebola-Epidemie sprach A. Merkel von der „Heimsuchung“ und als ich Gaucks „Armenier-Rede“ sah / hörte, stand ich auf und schaltete den Apparat aus. Diese Menschen der Verkuendung haben wohl einen anderen Himmel…. Danke für den Artikel; es beruhigt, dass die nachkommende Generation dieser Art von Vertreibung (mit) entgegentritt…

  29. Markus Ruhs

    Sehr geehter Herr Flügge,

    ich habe ihren Beitrag heute in meiner Predigt zitiert. Ich teile ihre Aussagen nur zum geringen Teil.

    Doch finde ich es gut, dass sie sich über unsere Kirche kritische Gedanken machen!

    Kaplan Markus Ruhs

  30. Gerhard Gronauer

    Auch ich habe lange über diesen Satz nachgedacht: „Wenn man mit euch ein Bier trinkt, dann klingt ihr ganz normal. Sobald ihr in einer Kirche in offizieller Funktion sprecht, wird’s plötzlich scheiße. Wieso denn eigentlich?“
    Ich habe eine mögliche Antwort (von mehreren) gefunden: Es hängt mit der Akkustik der Kirchen zusammen. Die zwingt uns trotz Mikrofon langsam und deutlich und laut zu sprechen, dabei klare hochdeutsche Worte zu verwenden und jegliche Mundartfärbung oder Umgangssprache beiseite zu lassen, weil da Silben verschluckt werden könnten.
    Eine meiner (vielen) Erfahrungen: Immer wenn ich versucht habe, normal zu reden, haben sich Gottesdienstbesucher beschwert, sie hätten mich nicht verstanden.

  31. Marius Fletschinger

    Gehöre selbst zur angesprochenen Zielgruppe. Spricht mir ganz aus dem Herzen! Damit will ich nicht behaupten, dass ich immer super spreche. Aber ich teile die Analyse.
    Wurde gerade nach einem eigenen (weniger pointierten) Artikel zum besagten Thema auf diesen starken Impuls aufmerksam gemacht.
    Großes Lob!

  32. Die Sprache ist manchmal wohl formelhaft. Es kommt sicher auf den jeweiligen Pastor an, wie er predigt: lebhaft und authentisch, oder formelhaft. Zwar bin ich evangelisch, würde es aber vergleichen mit den beiden jüngsten Päpsten: Franziskus wirkt menschennah und menschlich, authentisch – Benedikt war formelhaft und steif.

    Es ist sicher richtig, dass Prediger authentisch sein müssen und die Sprache ihren Zuhörern anpassen sollten. Aber das authentische ist vermutlich wichtiger, also die Sprache.

  33. Pingback: Gedanken zur Woche #61 « Durchgedacht

  34. Pingback: Kirche im öffentlichen Raum - eine Herausforderung - Tim Allgaier

  35. *kreisch* Wie genial ist die denn!!!!! Ich bin btreiseegt und weidf auch schon, wer die von mir bekommt!Ach und – schf6nen Heimurlaub! Vielleicht schaffen wir s ja mal. ;)Ich lass dir ganz liebe Grfcdfe da.

  36. David S. Benson

    Als ich 10 war, musste ich jeden Sonntag in die Kirche.
    Die Sprache war Deutsch, der Inhalt chinesisch.
    Da habe ich das Urteil für mich getroffen: brauche ich nicht.

  37. Uwe John

    Lieber Herr Flügge,
    ich bin durch eine Radiosendung vor einer Woche auf ihren Artikel und jetzt auch ihr Buch aufmerksam geworden. Herzlichen Dank, dass sie das Thema so provokativ aufgegriffen haben. Ich bin selbst evangelischer Pfarrer und mir war es seit Beginn meines Berufslebens wichtig, verständlich zu reden. Sowohl was die Wortwahl betrifft, als auch den Sprachduktus. Am meisten gelernt habe ich nicht durch die kirchliche Ausbildung. Am meisten gelernt habe ich von guten Journalisten, Schauspielern, Moderatoren, Kabarettisten usw.
    Leider ertappe ich mich selbst immer wieder bei solchen Sprachbildern, Formeln usw. Es hat sich eine „Kirchen-sprech“-Kultur entwickelt, die leider auch noch zum Teil so gewollt und gelehrt wird. Ich finde das völlig daneben. Das Evangelium ist auf Kommunikation ausgelegt und wir verpacken es in eine Sprache und Ausdrucksformen, die Menschen des 21. Jahrhunderts anachronistisch, seltsam und verdreht empfinden.
    Es wird Zeit daran deutlich etwas zu verändern. Ihre Arbeit leistet einen Beitrag dazu. Vielen Dank.
    Freundliche Grüsse
    Uwe John

  38. Ich habe vor meinem Theologiestudium bewusst eine Kfz-Lehre gemacht. Dabei habe ich neben vielem Anderen noch mehr gelernt, so zu reden, dass auch Nicht-Intellektuelle mich verstehen.
    Ich habe versucht, mir das zu erhalten und wünschte, wir alle würden unsere Sprache mal diesbezüglich ehrlich und kritisch durchleuchten (lassen).
    Danke für den Blog. Ich schätze, ich werde einige Sätze mal von der Kanzel zitieren.

  39. Annyway

    Hmm…ich verstehe deine Überlegungen. Wir diskutieren dieses Thema immer wieder, an meiner Schule (IGW), in unserer Gemeinde, unter Freunden…Wie schon andere in ihren Kommentaren erwähnt haben, denke ich, dass es unter anderem problematisch ist, die Sprache der Bibel für uns neu zu formulieren. Wie viel Abänderung ist notwendig, sinnvoll, nicht zu weit vom Urtext entfernt, um einerseits verstanden zu werden und andererseits nicht verfälschlicht zu sein? Ein weiteres Problem ist die Macht der Gewohnheit. Wenn jemand ganz neu in eine Gemeinde kommt, wird sein Wortschatz wohl noch am verständlichsten sein, aber mit der Zeit wird auch er sich an die Gepflogenheiten gewöhnen und diese als normal erachten oder kennt keine anderen Ausdrücke dafür (so erging es mir zumindest). Ich weiss selber nicht genau, wie man diesem Problem entgegenwirken könnte.

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