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Die Kirche verreckt an ihrer Sprache: Buch erschienen

„Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will. Ständig diese in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn, nach dem wer ich bin und werden könnte, wenn ich denn zuließe, dass ich werde, was ich schon längst war. Hä?“
– „Die Kirche verreckt an ihrer Sprache“ – 2015 sorgte mein Blogeintrag mit diesem Titel  für Aufregung unter Theologinnen und Theologen. Morgen erscheint passend zu den Thesen von damals mein neues Buch. Ich spreche auf 160 Seiten aus, was so viele denken – auch wenn es weh tut: Zu viele Predigten treiben die Menschen aus den Kirchen.
So hart ich die kirchliche Oberfläche angreife, so sehr bemühe ich mich auch darum, die Potentiale erfolgreicher Verkündigung zu ergründen. Ich will, dass am Ende Predigten endlich wieder besser werden.

Fluegge_Betroffen3-3Mein Buch zeigt, was ich bin: Ein Mensch, der mit seiner Kirche hadert, aber nicht mit ihr bricht. Ich klage an, ich wüte und bin nicht selten verzweifelt, aber ich schöpfe auch immer wieder neue Hoffnung. Ich hoffe, am Ende steht ein erneuter Dialog zwischen meiner Kirche, den Theologen und mir, dem Kommunikationsberater. Vielleicht ist dieses Buch auch ein kleiner Beitrag zu einer neuen Kommunikationsform meiner Kirche. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. 

Bestellen kann man mein Buch seit heute beim Kösel-Verlag (hier…) oder bei Amazon (hier…).

Ich freue mich ganz besonders, wenn Ihr / wenn Sie diesen Artikel teilen, das Buch lesen, mir Feedback geben, es weiterempfehlen oder gar eine Rezension schreiben.

 

Für die Leserinnen und Leser meines Blogs ein paar Auszüge aus meinem Buch:

Seite 15:  Zum Weglaufen

Mir schrieben Menschen, dass sie vor einer Weile aufgehört haben, sonntags in den Gottesdienst zu gehen, weil sie die Sprache, die dort gesprochen wird, nicht mehr aushalten. Ich kann das gut verstehen. Was soll ich schon von Predigten halten, in denen Belanglosigkeiten aneinander gereiht werden.
»Jesus lädt Dich ein – ja auch Dich. Er lädt Dich ein zum gemeinsamen Mahl. Zu dem Mahl, wie er es mit seinen Jüngern geteilt hat. Das Teilen von Brot und Wein in der Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig bestärkt und aufeinander vertrauen kann. Eine Gemeinschaft, in der nicht nur Nahrung geteilt wird, sondern auch Glaube. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.«
Sätze, in denen viel zu oft die Verben fehlen. Um dieser sinnbefreiten Aneinanderreihung von Banalitäten noch irgendeinen inneren Zusammenhang zu geben, wird in jedem Satz ein Wort des voraus gegangenen Satzes aufgegriffen, damit der Text nicht komplett in Fragmente zerfällt.

Man kann das mit gutem Gewissen schlechten Stil nennen. Er entsteht aus Überforderung. Wie soll ich denn so von Gott sprechen, dass es gleichzeitig würdig und nahbar ist? Wie soll ich denn so von Gott sprechen, dass es meine eigene Beziehung mit Gott zum Ausdruck bringt und gleichzeitig das Gegenüber zum Entdecken Gottes anregt? Wie finde ich den schmalen Grat zwischen Belehren und Erfahrbarmachen, und warum klingen diese drei Fragen schon wieder so, als hätte ein Theologe sie geschrieben?

In meinem Posteingang landet eine E-Mail. Ein mir unbekannter Mitarbeiter einer großen deutschen Diözese schreibt mir:

»Traurig, aber wahr. So ist es. Und ja: Was wir in der Kirche zu sagen haben, wird (so oft) nicht verstanden. Und dann versuchen wir es noch deutlicher auszudrücken und dann wird es noch diffuser und wirrer, und manchmal ist es wie beim Leben des Brian und seinem verwirrten Straßenprediger, der über die Verwirrung der Verwirrung …«

Ich kenne die Szene mit dem Straßenprediger gut. »Das Leben des Brian« zählt zu meinen Lieblingsfilmen. In dieser Szene stehen mehrere Prediger nebeneinander auf Podesten und versuchen, das Volk von ihrem Glauben zu überzeugen. Einer schreit, zetert und droht mit Verdammnis, und ein alter wirrer Mann predigt eben über die Verwirrung und verwirrt dabei sich und das Publikum.

Genau diese Szene kam mir auch in den Sinn, als ich gegen das Predigen in unseren Kirchen lospolterte. Sie ist so treffend und entlarvend. Seltsam, dass sie auch diesem kirchlichen Mitarbeiter sofort vor Augen war.

Die Erklärung, die er anbietet, ist interessant: Man wird nicht verstanden und versucht es dann noch deutlicher auszudrücken und wird dadurch immer unverständlicher. Die Erklärung ist so interessant, weil Glaube noch nie ganz verstanden werden wollte…

Seite 39: Flucht nach Jericho

Es ist eine schöne Kirche. Sie ist viele hundert Jahre alt. Die Kirchenbänke erzählen von Generationen betender Menschen. Jesus schaut gequält von einem alten Holzkreuz herab und nimmt den Kirchenraum ganz für sich ein. Vorne steht eine Pastoralreferentin. Sie trägt seltsame Gewänder. Zu viele Farben sind in diesem Outfit kombiniert. Sie nennt es »authentisch«, ich nenne es »oh je«.

Sie hat soeben eine kleine Schale mit warmem Wasser gefüllt und sagt laut das Wort »Wasser« in den alten Kirchenraum. Aus einem kleinen CD-Player tönt Nora Jones Musik. Beständig habe ich Angst, die CD könnte hängen bleiben. Sie ist bestimmt schon über zehn Jahre alt und nach vielen Jahren Firmunterricht verkratzt. Ich frage mich, wie viele der heutigen Firmlinge selbst schon mal Musik von einer CD abgespielt haben. Wahrscheinlich nur noch wenige. Heute hat man Lieder schlicht auf dem iPod oder Smartphone.

Bedeutungsschwanger zieht die Frau ein Knäuel vertrocknetes Zeug hervor, zeigt es den Anwesenden und sagt das Wort »Tod«. Eine andere Person am Ende des Raumes hat die Anweisung erhalten, in diesem Moment eine Klangschale anzuschlagen. Der lang gezogene Ton wummert durch den Raum.

Schließlich legt sie die vertrocknete Pflanze in das Wasser und sagt ganz ruhig und überbetont leise: »Aus Wasser und Tod kann Leben werden. Wir werden es miteinander erleben und erfahren. Ich möchte euch jetzt einladen, mit mir Abendessen zu gehen und später mit mir gemeinsam zurückzukehren, um das Wunder des Lebens zu sehen.«

Aua, das tut weh. Die Gruppe steht auf und trottet zum Abendessen in den Speisesaal des Bildungshauses. Ich bleibe sitzen und verdrehe die Augen angesichts des aufgeführten Theaterstücks.

Bei dem vertrockneten Knäuel handelt es sich um eine Rose von Jericho. Eine Wüstenpflanze, die man in jedem Esoterikladen kaufen kann. Diese Pflanzen können lange ganz ohne Wasser auskommen. Legt man sie in eine Schale Wasser, so kann man innerhalb von rund zwei Stunden sehen, wie die Wüstenpflanze grün erblüht. Gewiefte Expertinnen und Experten für gestaltete Mitten wissen aber, dass man das Verfahren mit warmem Wasser auch beschleunigen kann, sodass der Effekt schon nach rund 40 Minuten eintritt – genügend Zeit für ein Abendessen.

Mir ist der Appetit vergangen. Ich frage mich, was das hier wohl soll. Ich ahne fast, dass am Ende dieses Schauspiels noch eine Jesus-Schleife kommen wird. Irgendetwas in der Art von »auch Jesus ist durch den Tod gegangen, um dann zu neuem Leben in der Auferstehung zu kommen«. Wahrscheinlich waren seine Jünger dazwischen auch was essen, um die Zeit zu überbrücken…

Seite 93: Der alte Mann

Ich muss zur Bahn. Es ist schon wieder viel zu spät. In wenigen Minuten muss ich den ICE am Kölner Hauptbahnhof erreichen. Verpasse ich ihn, komme ich zu spät zu einem Termin in Süddeutschland. Es regnet – wie so oft in Köln. Wie viel zu oft in Köln. Ich habe ein Loch in die Sohle eines Paares alter Turnschuhe gelaufen. Wasser dringt in meinen Schuh, die Socken werden nass. Ich bin genervt.

Taxis fahren an mir vorbei. Sie fahren so schnell, dass das Wasser von der Straße bis weit auf den Bürgersteig spritzt. Links und rechts reihen sich belanglose Bürogebäude aneinander. Banken und Versicherungen, die IHK, und links im Gebüsch versteckt sich der Bischofssitz. Gegenüber einer Maredo-Filiale kommt mir ein alter Mann entgegen. Ich bemerke ihn nicht, bis er mir schließlich im Weg steht und mich auffordernd anlächelt. Ich schaue ihn verwundert an. Offenbar setzt er an, mit mir zu sprechen und sagt auf Englisch: »Excuse me, please.« – »Oh, ein Tourist«, denke ich, »der sucht bestimmt irgendetwas. Der wird ja wohl nicht den Dom suchen, den findet man allein. Weiß ich überhaupt die Antwort, aber ich kann den jetzt auch nicht stehen lassen.« – Er fragt: »Do you speak English?« Er hat eine tiefe durchdringend-nette Stimme wie ein Hörbuchsprecher. Es macht Spaß ihm zuzuhören. Noch dazu spreche ich gerne Englisch und darum antworte ich ihm, »sure«.

Daraufhin lächelt er mich noch mehr an. Ich lächle zurück. Er hat sehr große Ohren, wie alte Männer sie manchmal haben. Der alte Mann setzt an und sagt in freundlich verschmitztem Ton mit seiner tiefen, wunderschönen Stimme: »Do you know, that Jesus loves you?« – Sein Satz – »weißt Du, dass Jesus Dich liebt« – trifft mich völlig unvermittelt. Kurz bin ich verdutzt, dann völlig entnervt. Ein missionarischer Opa aus den USA. Na toll, und dafür bleibe ich in meiner Eile im Regen stehen, um zu helfen. Ich antworte nach einer sehr kurzen Pause in genervtem Ton: »Oh yes, of course!«, drehe mich um, lasse ihn stehen.

Schnell gehe ich weiter, doch sein Satz geht einfach mit. Während ich den alten Mann längst hinter mir gelassen habe, hallen seine Worte immer weiter nach. Was wollte er von mir? Was wäre eigentlich sein nächster Satz gewesen? Hätte er mir eine Bibel in die Hand gedrückt? Warum macht er das in einer fremden Stadt in einer fremden Sprache? Warum bei Regen, warum in der Nähe des Hauptbahnhofs? Was treibt diesen Mann an, mir solch einen Satz zu sagen.

Viel mehr als die Worte des alten Mannes wundere ich mich über meine eigene Antwort: »Oh yes, of course!« – »Oh ja, selbstverständlich!«. Warum habe ich ihm das geantwortet? – So selbstverständlich finde ich diese Antwort gar nicht. Dazu ist mein Glaube viel zu unstet, viel zu fragmentiert in Momentaufnahmen, viel zu zerrüttet vom Zweifeln. »Oh ja, selbstverständlich« statt wortlosem Weggehen.

Besonders macht den Satz des alten Mannes die Art wie er ihn spricht. Er fügt ihn ein in ein alltägliches Gespräch. Er weckt eine Erwartung, die in eine ganz andere Richtung weist. Er gibt mir den Eindruck, er frage meine Hilfe an und überrascht mich dann mit einem Satz, der keinem anderen Zweck dienen kann, als mir zu helfen. Er spricht ihn nicht in seltsamem Ton, nicht in der Art, wie verrückte Straßenprediger sonst sprechen, nicht mit seltsamen Wortbetonungen, wie er in Kirchen gesagt würde. Er sagt ihn ganz nebenbei, ganz freundlich, ganz nahbar. Ein seltsamer Satz und eine seltsame Begegnung. Ein kurzer Moment, in dem mir klar wird, dass das Sprechen von Gott auch mich erreichen kann. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Weiter zum Buch: Kösel-Verlag oder Amazon.

21 Kommentare

  1. Robert Pfeiler

    Hallo Herr Flügge,
    ich habe gerade eben Ihrer Kritik an der katholischen Kirsche,in einem Interview auf Radio Bayern 2 gelauscht und fühlte mich sofort angesprochen. Daher wollte ich Ihnen mal eben schnell meine Kritik an der Christlichen Kirche mitteilen, mich würde auch interessieren was Sie dazu sagen.

    Für mich ist es schon auch die oft sehr verklauslierte Sprache und immer uch so ein bisschen vage bleibende Aussage, die nicht mehr in die heutige Zeit passt.

    Was ich aber viel schlimmer finde, ist die viel zu bildhafte Sprache! Z.b. „Vater unser im Himmel …“ schon allein diese vier Worte ernsthaft zu beten bereiten mir Schwierigkeiten. „Vater“, also Gott ist männlich? „unser“, das bedeutet im Umkehrschluss also „nicht euer“, das heißt, wir grenzen uns ab? „im Himmel“ …, dass man das im Mittelalter noch wörtlich genommen hat ist klar, aber seit Jahrhunderten wissen wir, im Himmel ist er schon mal nicht! … Aber warum muß ich das dann noch beten und glauben?

    Schlimm ich es ja auch im Alten Testament, wo es auch wortwörtlich heißt, „… das Wasser stand rechts und links senkrecht wie eine Mauer …“ als die Juden vor den Ägypten flohen! Wenn sie wenigstens nicht so übertrieben hätten, und von ein plötzlichen Flut gesprochen hätten, … Und wenn ich alles nur im übertragenen Sinnen verstehen soll, was will mir die Kirche mit „senkrecht“ stehenden Wasser sagen? Ja, ich weiß, es gilt als Gottesbeweis, weil Gott angeblich ALLES kann! Auch Wasser dann mal senkrecht stehen lassen! Aber genau das ist einfach nur Blödsinn!

    Und noch mehr der Bildhaften Sprache: Z.B. die Feiertage, wie Christi Himmelfahrt. Ich bin mit solchen Begriffen aufgewachsen, und so waren sie für mich gesetzt! Und man denkt sich schon als Kind, hmm? Wie ist der denn „aufgefahren“, aber die Erwachsenen glauben es ja auch, also verstehe ich das nur noch nicht. Dann wird man selbst Erwachsen und man versteht es immer noch nicht.

    Überall in unserer modernen Gesellschaft wird man dazu erzogen, hinter die Dinge zu sehen, sich seine Eigenen Meinung zu bilden, und dann gibt es eine einzige Institution, da soll man sich dann reinsetzen und das Gehirn ausschalten! Und dann betet man das Glaubensbekenntnis! Ja und da wird ja alles zusammengefasst, was für den christlichen Glauben wichtig ist, z.B. „… aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur rechten Gottes, von dort wird er kommen …“

    Irgendwann habe ich gemerkt, ich brauche die ganzen angeblichen Gottesbeweise nicht! Was Jesus gelehrt hat sicher gut und richtig. Aber über´s Wasser gehen konnte er ganz sicher nicht! Auch nicht Wasser zu Wein machen etc. Kein Gott kann das!

    Übrigens, schon aufgefallen? Im Vater Unser betet man auch, Zitat „… vergieb uns unsere Schuld, wie auch wir … UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG, sondern erlöse uns von dem Bösen …“

    Das heißt ja, die christliche Kirche will uns erklären das Gott und Versuchung führen will böses zu tun?!
    Was ist das für ein Gottesbild?

    Fazit:
    Mir ist die Sprache und der gesamte Glaube leider, leider zu Bildhaft und in Bildern, von denen ich kein einziges mehr glauben kann, und sie nur aus Tradition zu beten, kann auch nicht richtig sein?!

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit
    Robert Pfeiler

    • mechthild finster

      Sehr geehrter Herr Pfeiler,
      ich verstehe bestens, was Sie meinen. Ich habe auch nie etwas verstanden. Doch das Ergebnis dieses Eingeständnisses war ein anderes als bei Ihnen: ich habe Theologie im Fernkurs studiert, Gastseminare besucht, mich interessiert….und nun versuche ich, die alten Bilder als Wortgottesdienstleiterin und auch als Ehefrau, Mutter und Lehrerin so rüberzubringen, dass alles vielleicht sinnvoll und verstehbar erscheint. Ich weiß, dass ich durch die Erziehung und den Kontakt mit Menschen, die zur Kirche gehört und geglaubt haben, so geworden bin, wie ich eben nun bin. Ich bin froh und dankbar für dieses Leben und mag gern davon erzählen und schreiben…..darum auch diese Antwort.
      Alles Beste Ihnen
      von Mechthild Finster

    • Friedrich Schäfer

      Viele berechtigte Fragen, die sich nicht leicht und schnell beantworten lassen. Aber ich darf hier auf Publikationen von Gerhard Lohfink verweisen. Theologisch verständlich und glaubwürdig.

    • Lieber Herr Pfeiler –

      – zu Ihrem Kommentar (der sprachlich zu denken gibt, weil er voller grammatisch unvollständiger Sätze ist), ein paar Eindrücke:
      Vater im Himmel – jedes Schulkind lernt bei uns in der Grundschule, dass „sky“ und „heaven“ auch im Deutschen zwei ganz verschiedene Sphären sind. Das konnte man auch im Mittelalter gut unterscheiden und hat nicht irgendwelchen Blödsinn „wörtlich“ genommen. Das ist erst in der Moderne üblich geworden, wo wir zwischen poetischer, physikalischer, bildhafter und noch anderen Sprachebenen zu unterscheiden verlernen.
      Womit ich nicht sagen will, dass es in der Kirche immer schön poetisch zugeht (siehe mein eigener Beitrag weiter unten).
      Vater „unser“ – also eben aller, weil unser und nicht bloß meiner.
      Und so weiter. Zum „Vater unser“ kann man so viel Kluges sagen. Man muss es nur wollen.
      Bildhaft: die religiöse Sprache ist grundsätzlich immer bildhaft und niemals rein logisch-sachlich-„digital. Bilder soll man nicht „glauben“ sondern deuten – und gebrauchen, um eigene Lebenssituationen zu deuten.

      Machen Sie es sich nicht zu einfach. Nicht so einfach wie die Leute, die auch Sie zu Recht kritisieren. So simpel ist es nun einmal mit der Religion nicht.

      Guten Gruß,

      Eberhard Geisler

      NB: Was immer „bewiesen“ werden kann ist schon allein deshalb nicht Gott, sondern ein menschliches Gedankenkonstrukt. Auch das sollte Konsens sein.

  2. Carola Hagitte-Bergmann

    Hallo Herr Fluegge,
    mit Interesse lese ich gerade Ihr Buch… und Sie sprechen sicher sehr vielen jüngeren und auch älteren (immer -noch-Kirchenmitgliedern- Gott sei’s geklagt …) aus dem Herzen. Ich bin aber Philologin und möchte Sie bitten, den Verlag aufzufordern den wiederholten Fehler auf S.117 zu korrigieren – es heißt ‚Heterotopie‘
    von ‚topos‘ – nicht Heterotropie ( ein Ausdruck aus der Medizin und meine eigene Augenproblematik).
    Als Lehrerin bin ich es nun mal gewohnt genau hinzuschauen…Liebe Grüße!

  3. Kurt Fuchs

    Lieber Herr Flügge,
    ein Beitrag in „Tag für Tag“ des DLF hat mich auf Sie und Ihr Buch aufmerksam gemacht.
    Heute habe ich es in meiner Buchhandlung abgeholt und schon halb gelesen.
    Ein erster kurzer Kommentar dazu:
    SAU GUT !
    Herzliche Grüße aus Salzburg
    Ihr Kurt Fuchs

  4. Gernold Malewski

    Klingt interessant, was Du schreibst. Ich bin geneigt, zuzustimmen. Du bringst auf den Punkt, was auch ich oft denke. Allerdings weckt Dein Beitrag bei mir kein Kaufinteresse. Beispiele für misslungene Kirchensprache erlebe ich genug. Ein ganzes Buch, um drauf rumzuhacken? Das ist StefanRaabNiveau. Was auf dem Markt fehlt, sind Ideen und Beispiele, wie es besser geht. Das Beispiel von Seite 93 wird nicht ausreichen.

  5. Hallo Erik, mit deinem Buch hast Du ja echt ins Schwarze getroffen! Mich beschäftigt das Kapitel „Unterwegs“ sehr, weil es meine Gemeinderfahrung in Worte fasst, die mich begleitet, seit ich aus Xanten weggezogen bin. Von Tübingen über Waiblingen bis hierher nach Lüftelberg bei Bonn die immer gleiche Erfahrung, fremd zu bleiben. Wir wohnen dieses Jahr 10 Jahre hier, ich bin inzwischen an verschiedenen Stellen in der Gemeinde aktiv, aber richtig dazugehören tue ich nicht. Ich glaube, dass das nicht nur mit den kommunikativen Strukturen zu tun hat. Es hat auch mit den Wurzeln zu tun, die sich mit den intensiven Erfahrungen bilden, die ein Jugendlicher in seiner Gemeinde machen kann. Dort groß werden, Verantwortung übernehmen, Freundschaften schließen … das gehört zum emotionalen Gepäck, dass ich seither mit mir herumtrage. Daraus entsteht ein Erwartungshorizont, den eine neue Gemeinde kaum bedienen kann. Hinzu kommt die Unfähigkeit, auf neue Gesichter zuzugehen und die Bereitschaft, jemand neues zu integrieren. Das fällt unheimlich schwer, weil man dazu transparente(ere) Kommunikation schaffen müsste. Dabei weiß doch nun wirklich jeder, dass am Abend vor Fronleichnam im Pfarrgarten ein Zelt aufgebaut und Bierbänke aufgestellt werden. Was die abweisende Reaktion vor dem Gottesdienst angeht, möchte ich dir widersprechen. Die Leute, die in der Kirche sind, wollen nicht gestört werden, ja. Für viele ist diese Zeit ein kostbarer Moment der Ruhe. Einmal still werden (müssen). Das Palaver findet hinterher statt. Vor dem Gottesdienst würde ich es geradezu als unhöflich empfinden. Danach würde ich mir allerdings wünschen, dass die Gesprächsrunden auch für die offen werden, die neu in der Gemeinde sind oder nicht so oft kommen.
    Viele Grüße
    Christoph

  6. Pingback: Die unverständliche Sprache der Kirche | Pfarre Schönering

  7. mechthild finster

    Lieber Herr Flügge,
    ich danke Ihnen für Ihr Buch, und besonders freue ich mich über Ihr Fazit am Ende, dem ich voll zustimme! Ich bin Lehrerin, Mutter, Ehefrau, Wortgottesdienstleiterin, die sich um das Leben und Verkünden der frohen Botschaft bemüht – und Besserwisser kann ich eigentlich nicht leiden. Dennoch: ich finde Ihr Ringen um die Beziehung von Kirche und Sprache gelungen, weil sie diese Beziehung aufdeckt, sie ins Wort bringt…Machen wir weiter!
    Lieben, herzlichen Gruß
    von Mechthild Finster

  8. Friedrich Schäfer

    Ich habe Ihr Interview auf dem Katholikentag angesehen. Einem Fazit „Auf eine Predigt ohne Aneckpotential kann verzichtet werden“ kann ich voll und ganz zustimmen. Also auf fast alle Predigten in unserem Land. Wozu es dazu allerdings ein Buch braucht, hat sich mir noch nicht erschlossen. Zudem offenbar das Ärgernis der gegenderten Sprache nicht berührt worden ist. Warum? Haben Sie selbst Angst vor dem Mainstream, oder haben Sie keine Ahnung von dem, was mit Genfer speech gemeint ist?

  9. Lieber Herr Flügge –
    – mit Schmunzeln, Schmerz, Ärger, Zustimmung u. a. m. habe ich Ihren Artikel und das Interview in der Rhein-Main-Presse gelesen. (Ich bin ev. Pfarrer.) Vieles ist ja leider viel zu richtig. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Pfarrer sofort nach ihrem Ableben in den Himmel kommen. Ohne Fegefeuer und ohne Glaubensprüfung. Denn wenn man in seinem Leben hunderte solcher Veranstaltungen durchgemacht hat, ohne vom Glauben abzufallen, dann spricht das doch für sich. Von meinen eigenen Predigten natürlich abgesehen. Ich schicke Ihnen gleich per Mail mal ein Dutzend Beispiele. (Nein, man sollte bei allem Ärger nicht drohen, sorry.)
    Was mich enttäuscht ist, dass auf die zugespitzten Beobachtungen und den Satz „warum sollte ich mich auf ein Jahrzehnt einlassen, in dem ich nicht gelebt habe?“ die alten Rezepte der 70er Jahre kommen:
    Reden wie Abends beim Bier? Um Himmels Willen. Genau das hat man versucht, uns im Predigerseminar beizubringen. Es war grauenhaft. Ich rede abends beim Bier anders als im Gespräch mit meinem Arzt, und abends im Bett mit meiner Frau anders als morgens auf der Kanzel. Kunst ist, wenn bei alledem eine stimmige Persönlichkeit zu erkennen bleibt. Und die Rollen nicht zu aufgeklebten Masken werden. Die Leute wollen in der Kirche nicht so angesprochen werden wie sie abends beim Bier reden. (Allerdings auch nicht in verquasten Theologenjargon, dem die Erfahrung fehlt.)
    Kirchenbänke raus, Menschen dichter zusammen setzen? Damit hat man uns in den 70er und 80 Jahren gequält. Es war grauenhaft. Im Gottesdienst werden (wenn er gelingt) Seelenschichten angesprochen, die die Leute im Dorf einander besser nicht zeigen: jeder kennt jeden und ist mit jedem verwandt und verschwägert. Nach der Seite sind die Gesichter zu. Nach vorne, zum Prediger hin, sind sie oftmals so offen, dass ich jede Regung lesen kann. Nachher beim Kirchenkaffee sind sie wieder zusammengesetzt und zu. Selbstschutz.
    Deshalb: runter von der Kanzel? Bloß nicht. Das war die große Fehlentscheidung der katholischen Kirche 1965. Von der Kanzel aus habe ich einen ganz direkten Kontakt auch mit denen, die ganz hinten oder auf der Empore sitzen. Vom Ambo aus reicht dieser Kontakt bis in die dritte Bank.
    Die Messgewänder aus? Wie all die 68er Pfarrer, die dann in Alltagskleidung im Altarraum rumliefen, um „authentisch“ zu sein? Es war grauenhaft. Und ein schlichter schwarzer Talar ist mit seit Jugendtagen sehr lieb geworden. Ein Gottesdienst ist nun mal auch eine Inszenierung.

    Nein, die Sprachnot ist viel zu groß für solch einfache Rezepte. Wir arbeiten dran. Das mit der „Alltagssprache“ ist so eine Sache. Mich beschäftigt seit einiger Zeit sie seltsame Tatsache, dass in dem Moment, als die katholische Kirche von Latein auf Deutsch umgestellt hat, eine ganze Generation anfing, auf Sanskrit zu beten. (Mantrensingkreise – fast noch unverdaulicher als der kirchliche Mainstream.)

    Na, ich will aufhören. Meine Predigt für morgen ist noch nicht fertig.
    Vielen Dank für Ihre gelungene Provokation und Guten Gruß!

    E. Geisler

    NB: Dass Kirchen dunkler wären als gemütliche Kneipen hat sich mit Beleuchtungsmessern übrigens nicht bestätigen lassen…

  10. Hallo Herr Flügge,
    habe heute im „Tagesanzeiger“ Ihren Artikel gelesen und möchte Ihnen gratulieren.

    Ich bin ein schwarzes Schaf in unserer katholischen Kirche und muss leider feststellen, dass unsere „Hirten“ keine Ahnung mehr von Schafen und deren Berdürfnissen haben. Wir haben eine wunderbare Botschaft zu vertreten und keine Ahnung von Marketing!

    Meine Kirche basiert auf jemandem der gesagt hat, … wenn Ihr ein Problem habt, dann kommt zu mir … Hilfe anzubieten und Beispiel geben … ist der Auftrag unserer Kirche … und nicht Indoktrination …

    Ich bin froh, dass es noch junge Leute gibt wie Sie … die sagen … nicht austreten … sondern auftreten !!! …

    Herzlichst Sepp Waldegg, Savognin

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